Wer ist die Rote Hilfe Greifswald?

Was ist die Rote Hilfe?

Die Rote Hilfe ist eine parteiunabhängige, strömungsübergreifende linke Schutz- und Solidaritätsorganisation. Die Rote Hilfe organisiert nach ihren Möglichkeiten die Solidarität für alle, unabhängig von Parteizugehörigkeit oder Weltanschauung, die in der Bundesrepublik Deutschland aufgrund ihrer politischen Betätigung verfolgt werden. Politische Betätigung in diesem Sinne ist z.B. das Eintreten für die Ziele der ArbeiterInnenbewegung, der antifaschistische, antisexistische, antirassistische, demokratische oder gewerkschaftliche Kampf und der Kampf gegen die Kriegsgefahr. Unsere Unterstützung gilt denjenigen, die deswegen ihren Arbeitsplatz verlieren, Berufsverbot erhalten, vor Gericht gestellt und zu Geld- oder Gefängnisstrafen verurteilt werden oder sonstige Nachteile erleiden. Darüber hinaus gilt die Solidarität der Roten Hilfe den von der Reaktion politisch Verfolgten in allen Ländern der Erde.

Finanzielle Unterstützung bei Strafverfahren

Die Rote Hilfe ist als bundesweiter Verein tätig und hat mittlerweile über 4.500 Mitglieder (Stand Dezember 2007). Durch die monatlichen Mitgliedsbeiträge können somit politisch Verfolgte unterstützt werden (das sind jährlich etwa 120 – 130.000 EUR an ausgezahlten Unterstützungsgeldern). Bei der finanziellen wie politischen Unterstützung wird übrigens nicht zwischen Mitgliedern und Nichtmitgliedern unterschieden – alle erhalten auf gleiche Weise Unterstützung. Zur Zeit sind dies in der Regel 50% der Kosten eines Verfahrens/ Strafbefehls etc. Natürlich funktioniert so ein Solidarsystem auf Dauer nur, wenn auch weiterhin Linke in die Rote Hilfe eintreten und so solidarisch ihren regelmäßigen Beitrag gegen die Repression leisten. Denn schließlich gilt gestern wie heute in Sachen staatlicher Repression: Betroffen sind nur einzelne – gemeint aber wir alle! Auch die Schlägertrupps der Polizei fragen bei Übergriffen auf DemonstrantInnen nicht vorher nach, welcher Parteimitgliedschaft oder konkreter politischer Weltanschauung das Ziel ihres Polizeiknüppels sich konkret zurechnet; für sie sind wir in solchen Fällen stets nur „Störer“, „Chaoten“, „Linke“. Und so wie wir alle zur Zielscheibe brutalisierter Polizeieinheiten oder der Inlandsgeheimdienste („Verfassungsschutz“) werden können, so sollten wir uns auch alle gemeinsam gegen diese staatlichen Maßnahmen und Eingriffe wehren.

Nur wer seine/ ihre Rechte kennt …

Neben den Unterstützungsgeldern finanziert die Rote Hilfe durch die Mitgliedsbeiträge auch Solidaritätskampagnen und Aufklärungsmaterial, wie z.B. zum Thema Aussageverweigerung, Umgang mit DNA-Analysen, Informationen zur Beugehaft…

Mittlerweile legendär und in einer Gesamtauflage von bisher 277.000 Exemplaren (16. Auflage November 2006) erschienen ist die Rechtshilfefibel „Was tun wenns brennt“, die kostenlos auf Demos verteilt wird. Darin werden grundlegende Rechts- und Verhaltenstipps für Demonstrationen, bei Ingewahrsamnahmen, bei Hausdurchsuchunge, bei Polizeiübergriffen und Festnahmen benannt. – Eigentlich ein Muß für alle, die sich an Demonstrationen oder anderen politischen Aktionen beteiligen.

Auch in der vierteljährlich erscheinenden Rote Hilfe-Zeitung werden aktuelle Repressionsfälle dargestellt, Gesetzesverschärfungen und ihre Auswirkungen beschrieben, Tipps zur Datensicherheit im Internet gegeben sowie Solidaritätskampagnen vorgestellt.

Strömungsübergreifend, überparteilich

Ein besonderes Attribut der Roten Hilfe ist der strömungsübergreifende Charakter der Organisation. Die Rote Hilfe ist nämlich offen für alle linken, demokratischen oder sonstwie progressiven Menschen, also nicht gebunden an irgendwelche -ismen oder politische Linienkämpfe der Linken. So finden sich in der Roten Hilfe Menschen aus ganz unterschiedlichen linkspolitischen und -kulturellen Strömungen zusammen, die gemeinsam die Rote Hilfe-Arbeit für richtig und wichtig halten. Und so kommen in der Roten Hilfe auch schon mal Leute zusammen, die vielleicht bei vielen allgemeinpolitischen Fragen und der jeweiligen politischen Gesellschaftsanalyse sonst tiefe innerlinke Gräben trennen würde – in der Frage der gemeinsamen Solidaritätsarbeit stehen sie aber Seit an Seit.

Um den strömungsübergreifenden Charakter zu bewahren, der für die Rote Hilfe-Arbeit einen so wichtigen Eckpfeiler darstellt, übt die Rote Hilfe bei allgemeinpolitischen Bewertungen weitgehend Zurückhaltung – außer natürlich wenn es sich um den Bereich Repression, „Innere Sicherheit“, Grundrechtsabbau, Kriminalisierung etc. handelt. Das kann dann schon mal heißen, daß die Rote Hilfe eben nicht beim Aufruf zur Antifa-Demo XY unter den UnterstützerInnen auf einem Flugblatt zu finden ist (auch wenn sicher etliche Rote HelferInnen an der Demo teilnehmen werden); stattdessen wird die Rote Hilfe sich aber um alle kümmern, die wegen dieser Demoteilnahme politische Strafverfahren o.ä. erhalten. Auch wird die Rote Hilfe keine Blockadeaktionen gegen CASTOR-Transporte anleiern, aber eben alle verteidigen, die deswegen staatliche Repression zu spüren bekommen.

Rote Hilfe in Greifswald

Die praktische Rote Hilfe-Arbeit lebt v.a. vom ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder. So gibt es bundesweit etwa 35 Ortsgruppen der Roten Hilfe, die eigenständig Soli- und Info-Veranstaltungen, Infostände und Aktionen durchführen sowie von Repression Betroffene vor Ort konkret unterstützen.

Auch in Greifswald gibt es seit Juli 2006 eine Rote Hilfe Ortsgruppe, deren Mitglieder aber nicht allein in der Universitätsstadt, sondern auch aus der umliegenden Region kommen. Hervorgegangen ist die Ortsgruppe aus der Initiative einiger Rote Hilfe Mitglieder und Rote Hilfe Interessierter aus der Region Vorpommern bzw. Greifswald. Nicht nur der G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm und die damit einhergehende Polizeigewalt (inkl. weitreichenden Grundrechtseinschränkungen und Massenfestnahmen), sondern auch die „ganz normale“ alltägliche Behinderung der politischen Arbeit linker Strukturen durch die Verwaltung und Polizei vor Ort sind Grund genug, um auch in Mecklenburg-Vorpommern Rote Hilfe-Strukturen aufzubauen. Niemand soll mehr mit politischer Repression allein im Regen stehen bleiben! Denn kaum etwas schadet linken Bewegungen mehr als wenn Repression „privatisiert“ wird, sich also Bewegungen nicht um die „Kollateralschäden“ politischer Auseinandersetzungen (in Form von Strafbefehlen, Anquatschversuchen des „Verfassungsschutzes“, Haftstrafen etc.) kümmern.

Die Rote Hilfe Greifswald ruft daher alle politisch Aktiven (aber auch alle „nicht-mehr“- oder „gerade-nicht-so-richtig“- politisch Aktiven) aus den verschiedenen linken Bewegungen auf, in die Rote Hilfe einzutreten und so die Solidaritätsarbeit der Roten Hilfe zu stärken.

Schafft zwei, drei, viele Rote Hilfe-Gruppen!