Antifaschistisches Gedenken: Verlegung von Stolpersteinen in Greifswald

stolpersteine_bild_200Zur Zukunft gehört auch stets das Gedenken – unter anderem an die Opfer des Nationalsozialismus und die WiderstandskämpferInnen gegen die Nazis. Zu denen, die schon weit vor der Machtübertragung an die NSDAP von den Nazis als politische Feinde bekämpft wurden, gehörten auch viele Rote HelferInnen. Wie alle Organisationen der ArbeiterInnenbewegung wurde auch die Rote Hilfe Deutschland gleich nach dem Machtantritt der Nazis verboten, die Gebäude und das Vermögen konfisziert und viele ihrer Aktiven verhaftet, gefolter oder ermordet. Andere Rote HelferInnen konnten abtauchen oder ins Ausland flüchten – auch hier wurde ein nicht unerheblicher Anteil der Fluchthilfe (nach Holland, Dänemark, Schweden, die CSR, Frankreich oder auch ins – noch nicht annektierte – Saarland) durch Rote HelferInnen – oftmals unter Lebensgefahr – organisiert.
Deswegen ist uns als Roter Hilfe neben der tagtäglichen Antirepressionsarbeit auch das Gedenken an die damaligen Roten HelferInnen wichtig.

Die staatliche und offizielle Gedenkpolitik in Deutschland und gerade auch in der Hansestadt Greifswald zeichnet sich aber häufig immer noch durch Ignorieren aus. Nicht selten erweist sich das offizielle Gedenken vielmehr als „Tätergedenken“, wo nämlich deutschen Wehrmachts- und SS-Mördern „in einem Abwasch“ mit den Toten der alliierten Anti-Hitler-Koalition und den Ermordeten in Konzentrations- und Vernichtungslagern gleichermaßen und unterschiedslos „gedacht“ wird. Das führt so weit, daß in einzelnen Bundesländern (exemplarisch seien hier Thüringen und Sachsen genannt) die KZ-Gedenkstätten geschichtsrevisionistisch umgestaltet und der NS-Faschismus relativiert wird.

Seit kurzem haben sich in der Hansestadt Greifswald einige Gruppen unabhängig voneinander zusammengefunden, um dem Schweigen und Geschichtsverdrehen eine alternative und antifaschistische Gedenkkultur dagegenzusetzen. Dabei soll an die Opfer wie auch an die WiderstandskämpferInnen gedacht und die TäterInnen beim Namen genannt werden.
Durch die Initiative „Schon vergessen?“ z.B. wurde so das Verschweigen bezüglich der beiden Greifswalder Obdachlosenmorde von 2001 durchbrochen. Am 25.11.2007 (genau 6 Jahren nachdem 3 jugendliche Nazis den Obdachlosen Eckard Rütz vor der Greifswalder Mensa mit Zaunlatten zu Tode geprügelt hatten) konnte so ein Gedenkstein für Eckard Rütz aufgestellt werden – wohlgemerkt nicht von der Stadt finanziert, sondern durch gesammelte Spendengelder.

Eine weitere Initiative ist die Initiative „Stolpersteine für Greifswald“, die ebenfalls durch Spendenmittel erreicht hat, daß nun erstmals auch in Greifswald sog. Stolpersteine namentlich an die Opfer und GegnerInnen des Faschismus erinnern. Am Donnerstag, den 10.07.2008 werden die ersten 11 Stolpersteine verlegt. Hierzu dokumentieren wir einen Text der Initiative „Stolpersteine für Greifswald“. Die Initiative freut sich über Vorschläge für weitere Namen (am besten mit kurzer Biographie), derer mittels Stolpersteinen in Greifswald gedacht werden sollte. Insbesondere die Opfer unter der organisierten Arbeiterschaft Greifswalds (SPD, KPD, Gewerkschaften, ArbeiterInnenvereine u.a.) wären hier noch einmal gezielt zu beleuchten. Kontakt zur Initiative: stolpersteine.hgw[ät]gmx.de

Hier die Mitteilung der Initiative „Stolpersteine für Greifswald“:


„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“

In Greifswald werden am 10. Juli 2008 „Stolpersteine“ verlegt, die zukünftig an die Greifswalder Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen. Ihren Platz finden Stolpersteine im Straßenpflaster vor den ehemaligen Wohn- oder Arbeitsstätten von Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Die ersten vier Steine wird der Kölner Künstler Gunter Demnig am 10. Juli 2008 ab 9.30 Uhr in der Brüggstraße 12 verlegen. Insgesamt werden am 10. Juli in Greifswald an sechs Orten 11 Stolpersteine verlegt:

9.30 Uhr, Brüggstraße 12
Stolpersteine für Julius, Thea, Hans und Gert Futter

ca. 10.00 Uhr, Historisches Institut, Donstraße 9a
Stolperstein für Dr. Gerhard Knoche

ca. 10.30 Uhr, Pharmakologisches Institut, Friedrich-Löffler-Straße 23d
Stolperstein für Dr. Rudolf Kaufmann

ca. 11.00 Uhr, Friedrich-Löffler-Straße 3
Stolperstein für Elise Rosenberg

ca. 11.30 Uhr, Robert-Blum-Straße 11
Stolpersteine für Alice Weißmann und Paula Sichel

ca. 12.00 Uhr, Gützkower Straße 39
Stolpersteine für Friederike und Georg Feldmann

Die Verlegungen erfolgen öffentlich – herzliche Einladung!