Gefangener der Action Directe wegen Interview wieder im Knast: „tiefgreifende Störung der öffentlichen Ordnung“

In Frankreich erschüttern jetzt schon Interviews die „öffentliche Ordnung“?

Vor einigen Tagen wurde der Gefangene aus Action Directe, Jean-Marc Rouillan nach einem Interview mit der Zeitung L‘EXPRESS zurück in den geschlossenen Vollzug verlegt. Er war seit Dezember 2007 im Freigang, sollte dort 1 Jahr arbeiten und dann – nach fast 22 Jahren Knast, davon die meiste Zeit in Isolationshaft – entlassen werden.
Der zuständige Richter ließ ihn jetzt zurückverlegen mit der Begründung, Jean-Marc habe gegen die Auflage für den Freigang verstoßen, „sich nicht öffentlich zu den Taten zu äußern, wegen derer er verurteilt wurde“.
Jean-Marc hatte auf die Frage von L‘EXPRESS, ob er das Attentat auf Renault-Chef Besse bereue, geantwortet: „Ich habe nicht das Recht, mich dazu zu äußern. Aber diese Tatsache ist schon eine Antwort. Denn es ist klar, daß ich mich äußern dürfte, wenn ich allem abschwören würde, was wir getan haben! Mit diesem Zwang zum Schweigen wird auch jede kritische Bilanz unserer Geschichte unterdrückt. Der Prozess des bewaffneten Kampfes, der sich in der Folge von 68 mit großem emanzipatorischen Elan entwickelt hat, existiert nicht mehr. Aber als Kommunist bin ich nach wie vor davon überzeugt, daß der bewaffnete Kampf in einem bestimmten Moment des revolutionären Prozesses notwendig ist.“

Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ schrieb am 03.10.2008 zur erneuten Inhaftierung von Jean-Marc, daß die offizielle Begründung der Staatsanwaltschaft für die Haft „tiefe Störung der öffentlichen Ordnung“ sei. Konkret schreibt „Der Standard“:

Infolge eines Antrags der Pariser Staatsanwaltschaft beschloss ein Haftrichter die Aufhebung einer Ende 2007 zugestandenen Hafterleichterung, die es dem 55-Jährigen erlaubte, tagsüber in einem Verlag zu arbeiten.

„Herr Rouillan hat in der Presse Erklärungen gemacht, die die öffentliche Ordnung zutiefst gestört haben“, begründete der Strafvollzugsrichter sein Urteil. Er ordnete am Donnerstag die Inhaftierung Rouillans in der Haftanstalt Les Baumettes in Marseille an, um in Erwartung des Gerichtsverfahrens, das auf den 16. Oktober festgelegt wurde, jeden Kontakt mit den Medien zu verhindern. Rouillans Anwalt Jean-Louis Chalanset kritisierte die Maßnahme als „unverhältnismäßig“.

Solidarität mit Jean-Marc Rouillan!
Gegen Maulkorb-Auflagen für FreigängerInnen!
Freiheit für die Gefangenen aus der Action Directe!


1 Antwort auf „Gefangener der Action Directe wegen Interview wieder im Knast: „tiefgreifende Störung der öffentlichen Ordnung““


  1. 1 Liberté pour Jean-Marc Rouillan ! « +++ Sprachlos in Paris +++ Pingback am 06. Januar 2011 um 20:51 Uhr
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