Britische PolizistInnen erhalten ab 2010 Handgeräte für biometrische Erfassungen

mobile-biometriescanner_bild_300Wie die Firma Silicon am 22.10.2008 berichtete werden ab 2010 alle britischen PolizistInnen mit mobilen Geräten zur biometrischen Erfassung ausgestattet. Das Projekt der National Policing Improvement Agency (NPIA), das unter dem Namen Midas läuft, soll bis 2013 alle britischen Polizeieinheiten entsprechend technisch umrüsten. Neben Fingerabdruckabgleichen sollen dann auch biometrische Gesichtsbild- sowie Irisscanabgleiche mobil von den Polizeikräften vorgenommen werden können.
Das Midas-Projekt ist der direkte Nachfolger des Lantern-Projekts, bei dem über 18 Monate der Einsatz von mobilen Fingerabdruckscannern bei der britischen Polizei getestet wurde. In dieser Versuchsphase wurden 200 mobile Fingerabdruckscanner durch die Polizei auf der Straße eingesetzt, die zusammen knapp 30.000 ID-Checks mittels Fingerabdruckvergleich lieferten. (Das sind etwa 1.667 Fingerabdruckvergleiche pro Monat oder 55 pro Tag; jedes Gerät wurde im Schnitt 150 mal eingesetzt.)

Der Einsatz von solchen mobilen Geräten zur biometrischen Erfassung ist auch außerhalb Großbritanniens schon im Gange. So erprobte die Schweizer Bundespolizei 2008 derartige Geräte bei Straßeneinsätzen während der Fußball-EM 2008. Aber auch die US-Besatzungstruppen im Irak und in Afghanistan setzen mittlerweile standardmäßig Fingerabdruck- und Irisscangeräte gegen die dortige Bevölkerung ein.

Schon seit einiger Zeit gibt es auf dem Markt etliche ausgereifte mobile Biometriegeräte mit integriertem Fingerabdruck-, Gesichts- und Irisscanner, die von Sicherheitsbehörden, Militärs, und privaten Sicherheitsdiensten rege nachgefragt werden. Kai Raven gibt auf seiner Internetseite einen aktuellen Überblick über die bisher verfügbaren Geräte.

Eigenartig und ziemlich unverständlich, daß offenbar viele Menschen freiwillig (!) bei solchen Scans mitmachen; so gab es 2008 auf der CEBIT in Hannover von der Firma biometrics eine stationäre Vorführmaschine zum Biometriescan, die von vielen MessebesucherInnen neugierig-begeistert ausprobiert wurde. Auch die „Automatische Biometriegestützte Grenzkontrolle“ (ABG), die im Februar 2004 auf dem Flughafen Frankfurt/Main eingerichtet wurde, hatten von 2004 bis 2007 insgesamt 22.779 Personen genutzt, wobei sie sich (freiwillig!!) mit ihrer Iris und ihren persönlichen Daten für das Projekt registrieren ließen.

Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die mobilen Biometriescanner auch in der BRD von Polizei und Militär eingesetzt werden. Wie schnell und politisch reibungslos eine Änderung der bestehenden Polizeigesetze in den Parlamenten möglich ist, haben Bund und Bundesländer in den letzten Jahren gezeigt, wo den Polizeibehörden Ausspäh- und Kontrolltechniken wie das Automatische Autokennzeichenlesesystem und Videoüberwachung im öffentlichen Raum, aber auch (wie z.B. im Sicherheits- und Ordnungsgesetz Mecklenburg-Vorpommerns jüngst eingeführt) erste Ansätze für routinemäßige DNA-(Zwangs-)Tests erlaubt wurden.
Und auch die Bundeswehr, die neben imperialistischen Kriegseinsätzen im Ausland zunehmend den Einsatz im Inneren erprobt, arbeitet schon längere Zeit an der Zusammenführung von unterschiedlichen Biometriescans (Iris-, Fingerabdruck- und Gesichtsscan) in einem einheitlichen Softwaresystem. Eine an der Universität der Bundeswehr München entwickelte Software, die 2007 auf der CEBIT vorgestellt wurde, ermöglicht nunmehr das Verwalten biometrischer Daten von unterschiedlichen Biometrie-Scannern in einem System. Was jetzt bloß noch fehlt, ist die entsprechende Ausstattung der SoldatInnen mit mobilen Scangeräten – mal schauen, wann das Kriegsministerium das auf seine lange und teure Auf- und Umrüstungsliste setzt.