Solidaritätskampagne: US-Deserteur André Shepherd braucht politisches Asyl!

andre_shepherd_bild_500André Shepherd ging im Jahr 2004 zum US-Militär, wo er in der US-Kaserne Katterbach (Bayern) als Mechaniker für Apache-Kampfhubschrauber ausgebildet wurde. Anschließend wurde seine Einheit in den Irak versetzt. Nach Rückkehr aus dem Irak (zurück in die Kaserne Katterbach) setzte er sich intensiver damit auseinander, wie das US-Militär gegen die irakische Zivilbevölkerung vorgeht, gerade auch mit den Apache-Hubschraubern, die André reparierte. Er entschloß sich, aus der US-Army zu desertieren. Am 26.11.2008 stellte er einen Antrag auf politisches Asyl in der BRD. Am 27.11.2008 legte er auf einer Pressekonferenz seine Beweggründe für die Desertion und den Asylantrag öffentlich dar. Zum Schutz vor der US-Militärpolizei ist André weiterhin untergetaucht.

Wir möchten euch bitten, die Kampagne mit zu unterstützen. Es wird nicht leicht sein, Andrés Asylantrag durchzufechten. Sollte er während seiner „unerlaubten Abwesenheit“ von der US-Army aufgegriffen werden, droht ihm ein Militärprozeß und eine längere Haftstrafe, ggf. sogar die Todesstrafe. Andrés Fall wird nicht nur in Deutschland und den USA mit großem öffentlichen Interesse verfolgt, sondern auch von den im Irak stationierten US-SoldatInnen, von denen einige ebenfalls nicht mehr an diesem imperialistischen Besatzungskrieg teilnehmen wollen. Ein positiver Bescheid für André Shepherd auf seinen Asylantrag wäre daher mit großer Wahrscheinlichkeit eine Initialzündung für weitere Kriegsdienstverweigerungen.

Auf der Seite von Connection e.V. aus Offenbach könnt ihr die Kampagne für Andrés Asylantrag unterstützen.

Hier findet ihr weiteres Aktionsmaterial als pdf zum Runterladen und Verteilen.

Spenden für André Shepherds Asylverfahren und die Unterstützung anderer Kriegsdienstverweigerer bitte auf den Just Say No Fund von Connection e.V.:

Connection e.V.
Konto 70 85 704
BLZ 370 20 500
Bank für Sozialwirtschaft
Stichwort: Just Say No

Wir dokumentieren die Erklärung von André Shepherd auf der Pressekonferenz in Frankfurt/Main am 27.11.2008. [Übersetzung: Rudi Friedrich und Thomas Stiefel]

Mein Name ist André Shepherd. Ich war Mitglied der US-Armee, bis mir klar wurde, dass mein Gewissen mir nicht länger erlaubt, dort weiter zu dienen. Ich bin zur Zeit unerlaubt abwesend (AWOL) und habe in Deutschland politisches Asyl beantragt. Ich bitte Sie für dieses schwierige Unterfangen um Ihre Unterstützung.

Im Januar 2004 ging ich zur Armee, begann als einfacher Soldat und arbeitete mich zum Spezialisten hoch, bis ich meine Einheit im Juni 2007 verließ. Die meiste Zeit meines Dienstes war ich in Katterbach (Deutschland) beim 412. Luftwaffenunterstützungsbataillon stationiert.

Von September 2004 bis Februar 2005 wurde ich mit meiner Einheit in den Irak versetzt. Dort lautete mein Auftrag, Hubschrauber des Typs Apache AH-64 zu reparieren und instand zu halten. Sie wurden dann benutzt, um die Infanterie zu unterstützen oder „feindliche Kämpfer“ zu finden und zu vernichten. Mein Job schien harmlos zu sein, wenn man nicht berücksichtigt, welche Zahl von Toten und welche Zerstörung diese Hubschrauber bei den Zivilisten im Irak verursacht haben. Als ich las und hörte, wie Menschen von den Maschinengewehren zerfetzt oder von den Hellfire-Raketen regelrecht in Stücke gerissen wurden, und erfuhr, wie Gebäude und Infrastruktur zerstört wurden, begann ich mich zu schämen für das, was ich da tat. Es war ein widerliches Gefühl, mir eingestehen zu müssen, dass ich im Grunde Tag für Tag am Abschlachten von stolzen Menschen beteiligt war. Der zweite Kampf um Falludscha ist ein markantes Beispiel dafür, welche Zerstörung diese und andere Waffen unter der Bevölkerung anrichten können. Ich glaube, dass die Apache-Hubschrauber für einen bedeutenden Teil der getöteten Zivilisten im Irak verantwortlich sind, deren Zahl zuletzt auf 500.000 geschätzt wurde. Ich bin beschämt, dass ich an diesen abscheulichen Handlungen beteiligt war, und ich schwöre, dass ich diesen Fehler niemals mehr machen werde.

Als ich zur Armee ging, legte ich den Schwur ab, „die Verfassung der Vereinigten Staaten gegen alle Feinde im Ausland oder im Land selbst zu stützen und zu verteidigen“. Nach meiner Verlegung in den Irak begann ich mich aber zu fragen, ob das, was ich dort tat, wirklich meinem Eid entsprach. Viele Monate lang habe ich nach den Gründen für die Kriege im Irak und in Afghanistan und für das, was das US-Militär in diesen Ländern tut, geforscht. Ich kam zu dem Schluss, dass beide Invasionen nach dem US-Recht und auch nach internationalem Recht illegal waren. Wir haben Nationen zerstört, führende Persönlichkeiten getötet, Häuser geplündert, gefoltert, entführt, gelogen und nicht nur die Bürger und führenden Politiker der feindlichen Staaten, sondern auch die unserer Verbündeten manipuliert. Ich kann nicht mehr mit gutem Gewissen weiter Dienst in der US-Armee leisten.

Das US-Militär bietet denjenigen keine Möglichkeit der Entlassung an, die davon überzeugt sind, dass man sie in einen illegalen Krieg schickt, die aber glauben, dass angemessene Gewalt gelegentlich notwendig ist. Ich musste wählen: Entweder musste ich meine Überzeugung ignorieren oder das Militär unerlaubt verlassen. Für mich war der richtige Weg eindeutig: Ich musste das Militär verlassen.

Es passt vielleicht, dass ich gerade in Deutschland Asyl beantrage, dem Land, in dem vor 60 Jahren die Nürnberger Prozesse begannen. Eines der wichtigsten Prinzipien, auf die diese Verfahren sich stützten, war, dass niemand sein Handeln damit rechtfertigen kann, er habe lediglich Befehle befolgt. Wenn ich in der US-Armee geblieben wäre und weiter an den Kriegen in Irak und Afghanistan teilgenommen hätte, könnte ich nicht rechtmäßig argumentieren, ich hätte nur meinen Job gemacht. Hier in Deutschland wurde festgestellt, dass jede und jeder, auch eine Soldatin oder ein Soldat, die Verantwortung für ihre und seine Handlungen übernehmen muss, ganz gleich, wie viele Vorgesetzte die Befehle dazu gegeben haben.

Ich rechne damit, dass das US-Militär versuchen wird, mich wegen Desertion zur Vermeidung gefährlicher Dienstpflichten in Kriegszeiten anzuklagen. Wenn ich dieses Vergehens schuldig gesprochen werde, hat das US-Militär gemäß den geltenden Vorschriften das Recht, mich zum Tod zu verurteilen. Dennoch traf ich die Entscheidung, die ich für richtig halte.

Es gibt viele Deutsche, die die Kriege im Irak und in Afghanistan rechtswidrig und unmoralisch nennen. Es ist nur logisch, daraus zu folgern, dass die an diesen Kriegen beteiligten Soldaten ebenfalls rechtswidrig und unmoralisch handeln. Die Frage ist nun, ob Deutschland den Soldatinnen und Soldaten, die sich diesen Kriegen verweigern, zur Seite stehen und Asyl gewähren wird.

Barack Obama wird im Januar der nächste Präsident der Vereinigten Staaten werden. Er betrieb seinen Wahlkampf mit der Botschaft der Veränderung und hat erklärt, dass er den Irakkrieg beenden will. Wiederholt sagte er, dass er als Präsident die Truppen vom Irak nach Afghanistan verlegen wird. Das aber ist nicht mit Verständnis gegenüber denen zu verwechseln, die sich weigern, an einem illegalen Krieg teilzunehmen. Ich glaube nicht, dass es eine Amnestie geben wird, bevor beide Konflikte beendet sind. Mehr noch, Robin Long, der sich als Soldat unerlaubt von der Truppe entfernt hatte, wurde kürzlich aus Kanada in die USA abgeschoben. Dort sitzt er nun im Militärgefängnis. Herr Obama hat weder die Absicht erklärt, die Doktrin von Bush zu ändern, noch erkennen lassen, dass er die Regierung von Bush für ihren Teil der kriminellen Aktivitäten rechtlich zur Verantwortung ziehen will. Sein Stillschweigen sagt viel über seine Position gegenüber den Verweigerern aus.