Bericht von einer RHD-Städteführung in Berlin

rhd-amnestiekundgebung_berlin_1927_bild_500.jpgIm Dezember 2008 hatten wir den Historiker und Journalisten Nikolaus Brauns als Referenten bei uns zu Gast, wo er zur Geschichte der Roten Hilfe Deutschlands (RHD) der Weimarer Republik sprach. Am letzten Wochenende fand in Berlin eine spannende Stadtführung statt, in der Nikolaus Brauns Orte und Ereignisse im Zusammenhang mit der RHD veranschaulichte.
Claudia Wangerin hat in der jungen Welt vom 16.03.2009 einen kurzen Artikel zu dieser „DenkMalTour“ verfaßt.

Wir denken, nicht nur Berlin hat viele solcher geschichtsträchtigen Rote Hilfe-Orte zu bieten, auch in MV gibt es in dieser Hinsicht sicher noch einige interessante Plätze und Geschehnisse mit direktem RHD-Bezug.


Ausflug in Zwischenkriegszeit

„DenkMalTour“ auf den Spuren der Roten Hilfe in Berlin

Von Claudia Wangerin

Fahrradkuriere der Roten Hilfe mit Büchern für politische Gefangene flitzten durch die Straßen Berlins, in der Weddinger Anwaltskanzlei der späteren DDR-Justizministerin Hilde Benjamin drängten sich Mandanten, die zum Teil so arm waren, daß die „Rote Hilde“ von ihnen kein Geld nahm – und 120.000 Menschen demonstrierten im Lustgarten gegen die Hinrichtung der Anarchisten Sacco und Vanzetti in den USA.

All das geschah in den 1920er Jahren. Für die Teilnehmer einer „DenkMalTour“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der NaturFreunde Berlin ließ Historiker und jW-Autor Nick Brauns am Samstag die Geschichte wieder lebendig werden. Anlaß war der bevorstehende „Tag der politischen Gefangenen“, zu dem die linke Solidaritätsorganisation im Jahr 1922 den 18. März erklärt hat. Das Datum erinnert an die blutige Niederschlagung der deutschen Revolution 1848 und der Pariser Kommune 1871.

In der Weimarer Republik hatte die Rote Hilfe für die Freilassung Tausender politischer Gefangener aus der Arbeiterbewegung gekämpft, Geld und Lebensmittel für deren Familien gesammelt und Rechtsanwälte für politische Prozesse gestellt.

Bis zu 7.000 proletarische Gefangene saßen damals in den Zuchthäusern. Aber nicht nur das: „Die Rote Hilfe hatte allein in Berlin und Brandenburg 30.000 Einzelmitglieder“, erzählt Brauns.

Die „DenkMalTour“ führte 20 Teilnehmer vom Reichstag, wo einst kommunistische Abgeordnete um Amnestiegesetze gerungen hatten, über die ehemalige Reichszentrale der Roten Hilfe in der Dorotheenstraße bis zum Landgericht in der Littenstraße und endete am Alexanderplatz vor dem Einkaufszentrum „Alexa“, wo vor dem Krieg das Polizeipräsidium stand.

Die Littenstraße ist heute noch nach dem Rote-Hilfe-Anwalt Hans Litten benannt, der von den Nazis in den Tod getrieben wurde, nachdem er sich Anfang der 1930er Jahre vor Gericht dem Terror des SA entgegengestellt und junge Antifaschisten verteidigt hatte. In der Dorotheenstraße dagegen erinnert heute nur noch der Copy-Shop „Copy Clara“ an den Straßennamen, den sie zu DDR-Zeiten trug – sie war nach der früheren Vorsitzenden der Internationalen Roten Hilfe Clara Zetkin benannt.