Mumia Abu-Jamal: Es geht um sein Leben!

mumia-alarm-blau_bild_300.gifDer Kampf um das Leben und für die Freiheit von Mumia Abu-Jamal spitzt sich weiter zu. Wir dokumentieren aus gegebenem Anlaß eine Mitteilung der Mumia Hörbuchgruppe Berlin:

Oft werden wir im Berliner FREE MUMIA Bündnis gefragt, einen kurzen Überblick über die Geschichte der Ausseinandersetzung um Mumia Abu-Jamal in den USA zu geben. Den allermeisten ist klar, dass es bei der staatlichen Repression um mehr als nur die Person von Mumia geht. Es beinhaltet Rassismus, politische Unterdrückung, Klassenjustiz und viele offene Fragen der US Gesellschaft vor dem Hintergrund der nicht aufgearbeiteten Sklaverei. Besonders geht es hier um die Praxis der Todesstrafe. Natürlich spielt gerade international auch die Frage von Solidarität eine große Rolle.

Aber nach weit über 20 Jahren Solidaritätskampagne gibt es viele jüngere AktivistInnen, denen die Anfänge dieser Auseinandersetzung nicht bekannt sind.

Mumias Geschichte „kurz“ zu erzählen, ist nach 27,5 Jahren Justizskandal eigentlich nicht möglich. Hier nur stichwortartig ein Versuch:

Mumia Abu-Jamal, geb. 1954 in Philadelphia

1966 Eintritt in die Black Panther Party, bald dort als Pressesprecher aktiv

1972 Studium

Ab 1977 als freier Journalist in Philadelphia tätig:
- Vorsitzender des schwarzen Journalistenverbandes in Philadelphia
- verschiedene Presseauszeichnungen und den Ehrennamen „The Voice of the Voiceless“ ( = „die Stimme der Unterdrückten“) für seine ausgesprochen engagierten Berichte, in denen er soziale Misstände, Rassismus und staatliche Korruption in die Titelseiten der großen Blätter und in die Radios bringt.

1981 in Philadelphia von dem Polizisten D. Faulkner niedergeschossen und später verhaftet

1982 wg. Mordes an eben diesem Polizisten angeklagt und unter gefälschten und manipulierten Beweisen zum Tode verurteilt. Amnesty International attestierte diesem Verfahren „einen Bruch internationaler Mindeststandards für faire Verfahren“ und fordert genau wie Mumia daher ein komplett neues Verfahren.

1995 und 1999 verhindert eine weltweite Solidaritätsbewegung Mumias Hinrichtung.

2001 der erste „Durchbruch“: Bundesrichter Yohn setzt die Todesstrafe gegen Mumia aus, bestätigt aber den Schuldspruch. Sowohl Mumia als auch Staatsanwaltschaft gehen in Berufung. Mumia verlangt neues Verfahren und fordert Freilassung, die Staatsanwaltschaft verlangt weiterhin seine Hinrichtung.

2005 – 2008 liegt der Fall vor dem 3. Bundesberufungsgericht. Sie erklären ebenfalls die Todesstrafe für unzulässig, verweigern aber unter Bruch der US-Vefassung ein neues Verfahren für Mumia. Sie erfinden Sonderregeln, um den in Mumias Verfahren nachgewiesenen Rassismus nicht als Grund für ein neues Verfahren anerkenn zu müssen.

Herbst 2008: sowohl Mumia als auch die Staatsanwaltschaft ziehen vor die höchste Instanz: den US Supreme Court. Der lehnt am 6. April 2009 ohne Begründung Mumias Antrag auf neues Verfahren ab. Überraschenderweise äußert er sich jedoch bis heute nicht zum Antrag auf Wiedereinsetzung der Todesstrafe, wie es die Anklagebehörden von Philadelphia wollen.

Seit dem 5. Oktober 2009 wird täglich mit einer Entscheidung gerechnet.
Mumias Leben ist jetzt so bedroht wie noch zu keinem Zeitpunkt seit seiner Festnahme 1981.

An dieser Stelle empfehlen wir die Lektüre des Aufrufes der Roten Hilfe aus dem September 2009 für die Notfallproteste.

Darüber hinaus sind viele Hintergrund-Beiträge auf der Webseite der Mumia-Hörbuchgruppe gesammelt.

Wichtige Schritte, wie Mumia unterstützt werden kann, gibt es
hier zum Download (pdf der Mumia-Hörbuchgruppe).

Juristische Belange werden in deutsch vor allem auf der Webseite des Bremer IVK veröffentlicht.

Ein ausführlicher Artikel aus dem Jahre 2007 über Mumia Abu-Jamal ist u.a. hier auf Indymedia Germany zu finden.