Archiv der Kategorie '§§ 129 a b'

Vortrag in NB Schwerin und Rostock: Repression gegen Kurd_innen in der BRD – Almanya’da Kürtlere karşı baskı,

(Aşağıdaki Türkçe versiyonu.)

Gemeinsam mit der Ortsgruppe Rostock veranstalten wir eine Vortragsreihe, um einen Überblick zu bekommen, wie das PKK-Verbot mit den aktuellen Repressionen gegen kurdische Aktivist_innen zusammenhängt. Welche Verfahren gegen Kurd_innen werden in Deutschland wegen vermeintlicher PKK-Mitgliedschaften aktuell geführt? Wer sitzt in Untersuchungshaft? Was hat die Lage in der Türkei mit deutscher Strafverfolgung gegen Kurd_innen zu tun? Was können wir tun, um mit den Betroffenen solidarisch zu sein?

Dies und mehr wird die Hamburger Rechtsanwältin Britta Eder beantworten. Britta verteidigt Kurd_innen in PKK-Verfahren und ist seit über 10 Jahren für die Unterstützung der kurdischen Sache engagiert.

Die Veranstaltungen, mit freundlicher Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung:
16.11.2016, 18:00 Uhr im Komplex in Schwerin; Pfaffenstraße 4 in 19055 Schwerin
17.11.2016, 19:00 Uhr im AJZ Neubrandenburg; Seestraße 12 in 17033 Neubrandenburg
18.11.2016, 19:30 Uhr im Cafe Median Rostock; Niklotstraße 5/6 in 18057 Rostock

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PM: Polizeirazzia im UJZ Kornstraße in Hannover – eine Gefälligkeitsgeste für das Erdogan-Regime

Mehr als 50 PolizistInnen haben heute nachmittag das unabhängige Jugendzentrum Kornstraße in Hannover durchsucht. Als Vorwand diente ein Ermittlungsverfahren wegen ‚Unterstützung einer terroristischen Vereinigung‘, konkret der PKK.

Die hauptsächliche ‚Ausbeute‘ der Razzia waren 41 Plakate und 82 Flugblätter beschlagnahmt, auf denen ‚Weg mit dem Verbot der PKK‘ zu lesen war. Das eigentliche Interesse der Repressionsbehörden galt allerdings wohl eher den vier Computern, die im Jugendzentrum zu finden waren und ebenfalls beschlagnahmt wurden. Als einzige konkrete Begründung für die Durchsuchung wurde genannt, das UJZ Kornstraße stehe im Verdacht, der ‚PKK‘ Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt zu haben (legale kurdische Gruppen wie die kurdische Jugend, der Verband kurdischer Studierender und das kurdischen Volkshaus treffen sich dort ganz offiziell und keineswegs geheim).

Nicht auszuschließen ist, dass es sich bei diesem Repressionsschlag um eine Art Retourkutsche der Staatsanwaltschaft handelt: Vor einem Jahr wurde ein Verfahren gegen das UJZ Korn wegen der Unhaltbarkeit der Vorwürfe eingestellt. Damals ging es um ein Wandgemälde, das den 1994 bei einer deutschen Polizeiaktion erschossenen sechzehnjährigen Kurden Halim Dener zeigte.

Offensichtlich ist die erneute Kriminalisierungswelle gegen die kurdische Bewegung und gegen Menschen, die sich mit ihr solidarisch zeigen, nicht zuletzt eine Dienstleistung für das Regime des türkischen Präsidenten Erdogan, von dem sich die BRD eine noch härtere Abschottung gegen Asylsuchende erhofft.

Die Rote Hilfe e.V. ruft zur Solidarität mit allen Menschen auf, die wegen ihres Widerstandes gegen die türkische Politik kriminalisiert werden. Wir werden auch weiterhin an der Seite aller – ungeachtet ihrer Nationalität – stehen, die wegen ihres Einsatzes für Gerechtigkeit und Demokratie in der Türkei staatlicher Verfolgung ausgesetzt sind.

Am heutigen Freitag findet am Steintor in Hannover um 18 Uhr eine Demonstration unter dem Motto „Gegen die Kriminalisierung des UJZ Kornstraße! Gegen das Verbot der PKK!“ statt.


H. Lange für den Bundesvorstand der Roten Hilfe e.V.

Im Dezember: Vorträge zu den Themen Datensicherheit und Repression gegen Antifaschist_innen

Im Dezember 2011 meldet sich die Rote Hilfe Greifswald noch einmal mit zwei spannenden Veranstaltungen zurück.
Die erste Veranstaltung, die sich inhaltlich mit der fortwährenden Kriminalisierung antifaschistischen Engagements in Sachsen befasst und von der Kampagne 129ev durchgeführt wird, findet am 14. 12. im AJZ Neubrandenburg und am 15. 12. im IKuWo (Greifswald) statt. Sie wird sich v.a. mit den aktuellen Ermittlungen nach §129 StGB, der „Bil­dung einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung“, wel­che gegen 44 Per­so­nen in und um Dres­den er­öff­net wur­den befassen.
129DD.Front

Die zweite Veranstaltung, die den Titel „Warum es niemanden etwas angeht, dass du nichts zu verbergen hast“ trägt ist kurz vor Weihnachten, am Dienstag den 20.12., im Ikuwo zu hören und wird von Datensicherheit während der Kommunikation im Internet handeln.
Dieser Vortrag ist eine Kooperationsveranstaltung mit Sense.Lab.e.V und wird einen „Einblick in die Themen Datenschutz, Überwachung, Internetnutzung und Verschlüsselung geben und vor allem die Gefahr des Datensammelwahns der heutigen Zeit für unsere Privatsphäre gemeinsam erörtern.“
Datensicherheit

Fakten:
Veranstaltung der Kampagne 129 zu den Verfahren in Dresden:
Freitag, 14.12.2011, 20 Uhr – AJZ Neubrandenburg (Seestrasse 8, 17033 Neubrandenburg)
Samstag, 15.12.2011, 20 Uhr – IKuWo (Goethestr. 1, 17489 Greifswald)
Info: http://hundertneunundzwanzigev.blogsport.de/

Veranstaltung zum Thema Datensicherheit:
Dienstag, 20.12. 2011, 20:30 – IKuWo (Goethestr. 1, 17489 Greifswald)

Selbstverständlich wird es auch wieder einen Infotisch der Roten Hilfe geben.
Wir freuen uns auf zahlreiches Erscheinen!

Einladung zum internationalen Antirepressionskongress in Hamburg

Im folgenden eine Einladung zum internationalen Antirepressionskongress, der vom 8. bis zum 10.Oktober in der Universität Hamburg stattfinden wird.

„Liebe Freundinnen und Freunde, Genossinnen und Genossen, liebe
Interessierte,
wir möchten Euch herzlich zu unserem Internationalen
Antirepressionskongress nach Hamburg einladen. Für die Veranstaltung konnten wir kritische
WissenschaftlerInnen, Medienschaffende sowie VertreterInnen politischer
Organisationen und sozialer Bewegungen aus den USA, Israel,
Großbritannien, Österreich, der Schweiz und BRD gewinnen; u.a.
den Historiker Moshe Zuckermann, den Journalisten Will Potter, den
Philosophen Wolfgang Fritz Haug, den Friedensforscher Tobias Pflüger,
den Politikwissenschaftler Georg Fülberth. Sie werden in Vorträgen,
Seminaren und einer Podiumsdiskussion den Zusammenhang zwischen
Totalitarisierungstendenzen des globalisierten Kapitalismus, der sich
zunehmend im autoritären Staat offenbarenden Klassenherrschaft, der
wachsenden Herausbildung bellizistischer, xenophober u.a. Ideologeme und
der rücksichtslosen Ausbeutung von Natur und Tieren erörtern.“

Wir sehen uns in Hamburg!


antirephh

Aufruf zur „Freiheit statt Angst“-Demonstration am 11.9.2010 in Berlin

Unter dem Motto „Freiheit statt Angst – Stoppt den Überwachungswahn!“
ruft ein breites Bündnis zu einer Demonstration am 11. September 2010 in Berlin auf.

Im antikapitalistischen Block beteiligen wir uns an der
Demonstration und wollen dabei insbesondere auf den europäischen
Charakter von Repression, Überwachung und Kontrolle aufmerksam machen,
sowie gegen die präventive Kriminalisierung linker und linksradikaler Strukturen im
Rahmen des „Extremismus- und Radikalisierungsdiskurses“ protestieren.

NEu

Welcome to European Police State…

Spätestens seit dem Verfassungsgerichtsurteil zur Vorratsdatenspeicherung
oder den Ausreiseverboten zum NATO-Geburtstag in Straßburg ist klar
geworden, dass Repression international ist und eine auf Deutschland
fixierte Kritik am „Überwachungsstaat“ seine buchstäblichen Grenzen hat.
Die Europäische Union ist dabei, sich als Staat zu konstituieren und baut
fleißig eigene Strukturen auf, die darauf abzielen, Menschen zu
kontrollieren und sie möglichst effizient ökonomisch auszubeuten.

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Vortrag zu §§ 129, 129a, 129b als Audiomitschnitt

Wir veranstalteten am 13. April einen Vortrag zur Geschichte der Organisations- und Gesinnungspragraphen §§ 129, 129a und 129b. Der Vortrag wurde per Audioaufzeichnung mitgeschnitten und ist auf dem Blog „Lebewesen“ (HIER) abzurufen.

Veranstaltung in Greifswald und Neubrandenburg zur Geschichte der §§ 129 a, b StGB

Im April stehen wieder Veranstaltungen der Roten Hilfe an, zu denen wir euch ganz herzlich einladen. Wir freuen uns, euch einen Rote Hilfe Vortrag zum Thema „Geschichte der §§129ab“ präsentieren zu dürfen. Zu sehen und zu hören gibt es den Vortrag

am Di., 13.04.2010 in Greifswald um 19:00 im IKuWo (Goethestraße 1)

und

am Mi., 14.04.2010 in Neubrandenburg um 20:00 im AJZ (Seestraße 12).

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Als kurzer Ankündigungstext und Appetizer:

Hausdurchsuchungen, Telefon- und E-Mail-Überwachung, Einblick in Kontobewegungen, monatelange Personen- und Wohnungsobervationen, Peilsender an PKW … die Palette der polizeilichen Sonderbefugnisse bei Ermittlungsverfahren nach §§129 a und b StGB bieten fast alles, was das Herz staatlicher Überwacher_innen höherschlagen läßt.
Anders als bei „normalen“ Strafverfahren müssen den §§129, 129a und 129b StGB keine Straftat zugrundeliegen – es handelt sich um Organisations- und Gesinnungsparagraphen, mit deren Hilfe Gruppen und Netzwerke durchleuchtet und kriminalisiert werden können.
Der Vortrag wird die Geschichte dieser Gesinnungsjustiz vom Kaiserreich über den Faschismus bis heute nachzeichnen und aufzeigen, welche Kontinuitäten im Kampf gegen linke Bewegungen und Gruppen dieser politischen Verfolgung zugrundeliegen.
Bei dieser Reise durch die Geschichte der Gesinnungsparagraphen werden wir auf einige Bekannte treffen, die mit derartiger Kriminalisierung mundtot gemacht werden sollten: Die republikanischen Demokrat_innen von 1848, die revolutionäre Sozialdemokratie von Bebel und Liebknecht, Kommunist_innen und Antifaschist_innen in der Weimarer Republik und im
Faschismus, die Friedensbewegung und die KPD in der Adenauerära, ab den 1970ern auch Hausbesetzer_innen, Frauenbewegung, Anti-AKW-Bewegung, linke Studierende, Antirassist_innen, Proteste gegen Stadtumstrukturierungen, Gen-Tech-Gegner_innen, kurdische und türkische Linke, Antiglobalisierungsbewegung – und immer wieder linke Drucker_innen, Zeitungen und Buchläden, die Texte von politischen Bewegungen abgedruckt und verbreitet haben.

Juso-Bundesvorsitzende kritisiert mg-Verfahren

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Wir dokumentieren ein Interview der taz vom 25.10.2009 mit der Juso-Bundesvorsitzenden Franziska Drohsel. In dem Interview geht es u.a. um das Urteil im mg-Prozeß und die totalitaristische Gleichsetzung von Links und Rechts.

Interview mit der Juso-Vorsitzenden: „Ich kritisiere die Gleichmacherei“

Franziska Drohsel wehrt sich gegen die Gleichsetzung von Rechts- und Linksextremismus: Der eine spricht Menschen das Recht auf Leben ab, der andere strebt nach freiem Leben.

taz: Frau Drohsel, finden Sie etwas sympathisch an Schwarzgelb?

Franziska Drohsel: Nee. Ich möchte, dass es eine linke Mehrheit im Parlament gibt und eine progressive Regierung. Ich bin der Meinung, dass es für die Gesellschaft katastrophale Konsequenzen hat, wenn so eine konservative Regierung die Gesellschaft gestaltet.

Wünschen Sie der Regierung, dass sie möglichst viele Fehler macht und dadurch die Legislaturperiode vorzeitig beendet wird?

Natürlich fände ich es gut, wenn diese Regierung frühzeitig zum Beenden gezwungen wird und es eine andere Mehrheit gibt.

Das Kabinett steht. Sehen Sie krasse Fehlbesetzungen?

Das sind alles Menschen, die politische Positionen vertreten, die ich nicht richtig finde.

Wird Schwarz-Gelb die Leute öfter auf die Straße treiben?

Ich gehe davon aus, dass Schwarz-Gelb eine Politik machen wird, die die soziale Spaltung verstärkt. Und ich hoffe, dass es da Gegenwehr gibt.

Wann waren Sie das letzte Mal auf einer Demo?

Natürlich war ich auf der Anti-Atomkraft-Demo. Und bei der mg-Soli-Demo.

Wie bitte, Sie waren auf einer Solidaritätsveranstaltung für die linksradikale „militante gruppe“?

Ja, ich finde es juristisch nicht okay, wie das Verfahren gelaufen ist. Darauf möchte ich öffentlich aufmerksam machen.

Haben Demonstrationen denn überhaupt noch einen Sinn?

Auf jeden Fall ist Demonstrieren sinnvoll. Einmal habe ich die Möglichkeit, mit vielen anderen Menschen auf ein Anliegen aufmerksam zumachen. Außerdem kann man auch Blockaden organisieren, zum Beispiel von Nazi-Aufmärschen. Und so etwas wie Heiligendamm war in vielerlei Hinsicht eine großartige, kreative Aktion.

Gilt das auch für Flashmobs?

Flashmobs finde ich grundsätzlich auch gut. Das ist eine sehr spontane Demonstrationsform.

Wo sind für Sie die Grenzen des Protestes?

Die Grenze in dieser Gesellschaft ist das Strafgesetzbuch. In dem Moment, in dem du dagegen verstößt, machst du dich strafbar und kassierst ein Verfahren.

Sollte man das nicht manchmal in Kauf nehmen?

Dass Legalität und Legitimität nicht immer übereinstimmen müssen, kann man aus unserer Geschichte lernen. Das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit ist ein schwieriges. Natürlich sind Regeln für gesellschaftliches Zusammenleben notwendig, aber manche würde ich hier deutlich kritisieren. Gerade den Paragraf 129a finde ich problematisch. Er hat dazu geführt, dass linke Strukturen ausspioniert und eingeschüchtert wurden. Ich finde es ebenfalls problematisch, wie das Verfahren gegen die „militante gruppe“ gelaufen ist. Ich bin gespannt, was die Revision ergeben wird.

Die Bundesregierung will die Fördermittel für den Kampf gegen rechts auch gegen links einsetzen. Gibt es einen Unterschied zwischen Links- und Rechtsextremismus?

2005 hat die SPD dieselben Pläne in der großen Koalition verhindert. Eine Zusammenlegung der Mittel würde bedeuten, dass man Geld aus Anti-rechts-Programmen rauszieht und stattdessen gegen linke Strukturen verwendet. Ich kritisiere die Gleichmacherei. Rechtsextremismus spricht Menschen das Recht auf Leben ab. Grundlage linker Politik ist das Streben nach einem freien und selbstbestimmten Leben für alle.

(Das Interview führten Philipp Schossau, Feras Al-Hasaki, Luisa Klauser und Ernesto Loll, vier Teilnehmer der taz-Akademie für Nachwuchsjournalisten.)

Erklärung des Einstellungsbündnisses zum Urteil im sog. mg-Prozeß

was-brennt-denn-da_bild_400.jpgWir dokumentieren eine Zusammenstellung des Einstellungsbündnisses zum Ausgang des sog. mg-Prozesses:

„Nichts dümmer als die Begründung dieser Urteile. Was in Moabit an Moral gelehrt wird, gehört auf den Kehrichthaufen.” Tucholsky

In dem politischen Urteil gegen die drei Angeklagten erklärte der Vorsitzende Richter Josef Hoch, dass sich aus der angeklagten Tat in Brandenburg (Havel) keine antimilitaristischen Ziele erschließen würden. Er sprach von „tendenziöser Berichterstattung“, weil die Medien schrieben, dass mit dem Prozess Antimilitaristen kriminalisiert werden sollen.

Das Kammergericht schloss sich der Begründung und empfohlenen Strafhöhe der Bundesanwaltschaft (BAW) an: 3 Jahre und 6 Monate für Axel und Oliver, 3 Jahre für Florian. Die Anwälte kündigten Revision an. Bis zur Entscheidung darüber bleiben die drei unter Auflagen in Freiheit.

Pressespiegel:
In unserem Pressespiegel finden sich Pressemeldungen. Hingewiesen wird hierbei insbesondere auf einen taz-Artikel mit der treffenden Überschrift „Urteile wie verlangt“ sowie einen ausführlichen Indymedia-Bericht über die Urteilsverkündung: http://de.indymedia.org/2009/10/263536.shtml

Erklärung des Einstellungsbündnisses:
Presseerklärung: Urteilsverkündung im Berliner mg-Prozess

„Antimilitarismus lässt sich nicht verurteilen“

Vor über einem Jahr begann der Prozess gegen Axel, Florian und Oliver als vermeintliche Mitglieder der „miltanten gruppe“. Alle drei waren gemeinsam mit Andrej im Sommer 2007 festgenommen worden. Die Ermittlungen gegen Andrej laufen weiter.

Heute wurden Axel, Oliver und Florian für eine versuchte Brandstiftung als vermeintliche Mitglieder der militanten gruppe zu 3,5 bzw. 3 Jahre Haft verurteilt. Sie verlassen den Gerichtssaal nach über 60 Verhandlungstagen ohne jegliche Einlassungen und sollen für ihren entschlossenen Widerstand gegen die deutsche Kriegspolitik bestraft werden.

Das Bündnis zur Einstellung der 129 (a)-Verfahren hat seit den Verhaftungen 2007 die Entwicklungen und den Prozess politisch begleitet. Dabei stand für uns neben der Thematisierung von Überwachung und Verfolgung von politischen Aktivisten seit Prozessbeginn vor allem das Thema Antimilitarismus im Vordergrund.

Wir wollen an dieser Stelle deshalb auch nicht auf die diesem Urteil zugrunde liegenden abenteuerlichen Indizienketten von BAW und Gericht eingehen. Auch nicht auf die Schikanen gegenüber den Besucher_innen. Nur soviel: aus unserer Sicht der Schritt der Anwälte, auf die Schlussplädoyers zu verzichten, folgerichtig und konsequent.

Trotz der aufgebauten Drohkulisse eines Sondergerichtes hat antimilitaristischer Widerstand in Deutschland während dieses Prozesses mehr Präsenz bekommen. In den vergangenen Jahren hat der Widerstand gegen Militäreinsätze und die zivil-militärische Zusammenarbeit zugenommen. Der Protest gegen den Krieg wird wieder deutlich entschlossener und geschlossener geführt, ohne dass friedliche Proteste und militanter Widerstand gegeneinander ausgespielt werden konnten. Das haben wir auch an der Solidarität gemerkt, die aus ganz unterschiedlichen politischen Spektren kam.

Dennoch ist es innerhalb des Prozesses nicht gelungen, die Frage nach legitimem Widerstand gegen Militäreinsätze zu stellen. Nur wenige Medien haben die politischen Beweisanträge thematisiert und in Verbindung gestellt mit dem, was tagtäglich in diesem Land und international passiert. Weder die Kriegseinsätze der Bundeswehr noch ihre Präsenz in Schulen, an Universitäten und auf den Straßen ­ wie 2007 in Heiligendamm ­ scheinen in den Zusammenhang zu den zunehmenden Protesten gestellt zu werden. In anderen Ländern wie zum Beispiel Irland gab es Freisprüche nach Sabotageakten gegen Kriegsgerät, explizit mit der Begründung, dass sie dazu beigetragen haben, Schlimmeres zu verhindern. Diese Debatte steht weiterhin aus. Wir freuen uns jedoch schon jetzt, dass die antimilitaristischen Kämpfe weitergehen werden.

Redebeitrag des Einstellungsbündnisses:
Wie wir es auch drehen und wenden, der heutige 16.10.2009 ist kein guter Tag für den antimilitaristischen Widerstand.

Während Lobbyisten und einige Bundesabgeordnete sich ihre Brötchen und ihre Rente mit dem einfädeln von Waffengeschäften und dem Vorbereiten und Führen von Kriegen sichern…

Während am 6. Oktober der Haftbefehl gegen den Waffenschieber Walter Schreiber aufgehoben wurde, der lediglich bestraft werden soll, weil er bei seinen schmutzigen Geschäften vergessen hat, Steuern zu bezahlen…

Während unterstützt durch die deutsche Außenpolitik der afghanische Schwarzmarkt mit 10.000 Walther P1 versorgt wurde und über die deutsche Polizeihilfe darüber hinaus die Ausbildung an dieser Waffe finanziert wurde …

Und während das deutsche Militär weiter in Afghanistan Zivilisten tötet…

… wurden Axel, Florian und Oliver als vermeintliche Mitglieder der „miltanten gruppe“ für eine versuchte Brandstiftung zu 3,5 bzw. 3 Jahren Haft verurteilt. Sie verlassen den Gerichtssaal nach über 60 Verhandlungstagen ohne jegliche Einlassungen und sollen für ihren aktiven Widerstand gegen die deutsche Kriegspolitik bestraft werden.

Wir wollen an dieser Stelle nicht auf die diesem Urteil zugrunde liegenden abenteuerlichen Indizienketten von BAW und Gericht eingehen. Stattdessen möchten wir zwei Punkte herausstreichen.

Trotz Repression und Kriminalisierung hat antimilitaristischer Widerstand in Deutschland während dieses Prozesses mehr Aufmerksamkeit und Präsenz bekommen. Der Widerstand gegen den Krieg wird wieder deutlich entschlossener und geschlossener geführt, ohne dass friedliche Proteste und nicht gesetzeskonformer Widerstand gegeneinander ausgespielt werden konnten.

Auf der anderen Seite haben Repression, Kriminalisierung und Bestrafung von antimilitaristischem Widerstand deutlich zugenommen. Deutlich gewachsen ist auch der Druck gegen Totalverweigerer und alle diejenigen, die sich entschlossen dieser Politik entgegenstellen.

Wir sagen Euch allen – AnwältInnen, UnterstützerInnen und AntikriegsaktivistInnen – an dieser Stelle herzlichen Dank für Eure Solidarität und die tatkräftige Hilfe.

Aber wie ihr sicher wisst, es ist nicht vorbei:

Es ist ganz und gar nicht vorbei für Axel, Florian und Oliver. Es ist nicht vorbei für ihr privates und politisches Umfeld. Es ist nicht vorbei für all diejenigen, die sich auch morgen entschlossen und tatkräftig gegen diese zynische Politik wenden.

Nach dem Motto: „Was in Deutschland brennt, kann in Afghanistan keinen Schaden anrichten“ bleiben wir solidarisch aktiv.

Das Einstellungsbündnis

OLG Düsseldorf: Polizei schlägt ProzessbesucherInnen zusammen!

Der Schauprozeß im Düsseldorfer Oberlandesgericht gegen den nach § 129b StGB
verfolgten Faruk Ereren wurde am 29.05.2009 zum Schauplatz für Polizeiübergriffe auProzeßbesucherInnen. Neun BesucherInnen des Prozesses aus Düsseldorf, Mönchengladbach und Stuttgart wurden in der Mittagspause des Gerichts brutal von der Polizei niedergeschlagen und anschließend stundenlang im Gerichtskeller eingeschlossen. Gegen die neun GenossInnen wurde zudem jeweils ein Bußgeld über 100 EUR verhängt. – Und das alles nur, weil sie in einer Verhandlungspause Solidaritätsbekundungen für Faruk riefen.

Freiheit für Faruk Ereren und die übrigen Gefangenen aus der DHKP-C!
Weg mit §§ 129, 129a und 129b!
Hoch die internationale Solidarität!

Wir verweisen auf einen detaillierten Bericht der Roten Hilfe Düsseldorf/Mönchengladbach/Neuss auf indymedia deutschland, wo ihr auch Fotos von den Verletzten finden könnt.