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Schuhwerfer von Bagdad: Muntader Al-Zaidi schwer mißhandelt und gefoltert

Schuhwurf von BagdadAm 14.12.2008 war der scheidende US-Präsident George W. Bush überraschend in Bagdad aufgetaucht, um zum Ende der Amtszeit gemeinsam mit dem irakischen Marionettenregime die Demokratisierung und Stabilisierung des Irak öffentlich zu präsentieren. Während einer Pressekonferenz von Bush und dem irakischen Ministerpräsidenten Maliki kam es zu einem unerwarteten Eklat: Der irakische TV-Journalist Mutander Al-Zaidi, der für den unabhängigen TV-Sender Al-Baghdadia arbeitet, warf plötzlich seine beiden Schuhe auf Bush – verfehlte ihn aber dabei. Eine verbale Botschaft schickte der Journalist mit jedem seiner Schuhe mit: „Das ist ein Abschiedskuß von den Irakern, du Hund“, schrie er beim ersten. „Das ist von den Witwen, den Waisen und jenen, die im Irak getötet wurden“, beim zweiten.

Al-Zaidi wurde noch während der Pressekonferenz von irakischen und US-Sicherheitsbeamten zu Boden geworfen und anschließend mehrfach brutal geschlagen. So berichteten verschiedene Quellen von Blutspuren Al-Zaidis dort dort, wo er verprügelt wurde. Mittlerweile mußte auch offiziell eingeräumt werden, daß Al-Zaidi auch während seiner Haft schwer mißhandelt wurde. Die Familie des TV-Journalisten berichtete, Muntader Al-Zaidi seien ein Arm und mehrere Rippen gebrochen worden. Außerdem habe er Verletzungen an einem Auge und innere Blutungen von der Malträtierung davongetragen. Der irakische TV-Sender al-Sharqiya berichtete außerdem, Al-Zaidis Schenkel hätten deutliche Spuren von Folter aufgewiesen. (Folter gehört im Irak weiterhin zur gängigen Praxis der Sicherheitsbehörden.) Zu einem ersten, angesetzten Gerichtstermin am Zentralgericht in Bagdad wurde Muntader Al-Zaidi nicht öffentlich vorgeführt, um Foto- und TV-JournalistInnen die körperlichen Spuren der Mißhandlung Al-Zaidis nicht präsentieren zu müssen. Mainstreammedien verbreiteten derweil unkritisch die Propagandameldung aus Bagdad, der Schuhwerfer habe bei der irakischen Regierung und beim US-Präsidenten reuig um Verzeihung gebeten. Diese Meldung wurde aber umgehend von der Familie des Verhafteten dementiert. Es ist schon erschreckend, wie unhinterfragt von manchen Medien über eine solche „Entschuldigung“ aus dem Bagdader Foltergefängnis gesprochen wird – gerade auch angesichts des kürzlich begangenen 60. Jahrestages der internationalen Erklärung der Menschenrechte (10.12.1948).

Der Schweizer „Tages-Anzeiger“ machte schon am 16.12.2008 darauf aufmerksam, daß Al-Zaidi als kritischer Journalist im Irak selbst schon mehrfach Opfer von Polizei- und Militärübergriffen geworden war – ein Schicksal, das viele JournalistInnen im besetzten Zweistromland teilen. Im vergangenen Jahr wurde er wegen seiner regierungskritischen Berichterstattungen von Paramilitärs entführt und bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen. Ein befreundeter Reporter-Kollege bei Al-Baghdadia wurde von Unbekannten erschossen.

Muntader Al-Zaidi droht nach der Folter nun auch noch eine mehrjährige Haftstrafe. Wegen „Beleidigung eines ausländischen Staatschefs“ werden ihm sieben bis zehn Jahre Haft angedroht. Dem „Schuhwerfer von Bagdad“ soll offenbar noch vor dem Amtswechsel im Weißen Haus der Prozeß gemacht werden. So wurde mittlerweile bekannt, daß der Prozeß gegen Muntader Al-Zaidi am 31.12.2008 beginnen solle. Es ist davon auszugehen, daß ohne breite, kritische Öffentlichkeit und internationale Solidarität Mutander Al-Zaidi keinerlei rechtsstaatliches Verfahren erwarten kann.

Wir rufen daher zur internationalen Solidarität mit Mutander Al-Zaidi auf!

Hier gibt es z.B. eine Online-Petition für Muntader Al-Zaidi, die unterzeichnet werden kann.

Der „Schuhwurf von Bagdad“ hat sich zu einem internationalen Symbol für den Widerstand gegen die imperialistische Besatzung im Irak entwickelt. Auch im Internet hat die spektakuläre Aktion schon merkwürdige Blüten getrieben: Unter www.sockandawe.com kann mensch selbst den US-Präsidenten mit Schuhen bewerfen.
Schade, daß die SpielemacherInnen dabei nicht auch Geld für die Verteidigung für Muntader Al-Zaidi sammeln, z.B. 1 (Euro- oder Dollar-) Cent pro SpielerIn.