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Buchrezension: „Die weltweiten Verbrechen der Konterrevolution 1918 bis 1935 – Bericht der Internationalen Roten Hilfe aus dem Jahr 1935″

Wir dokumentieren mit freundlicher Genehmigung eine Rezension der Redaktion der Roten Hilfe Zeitung (RHZ 2/2009) zum Buch „Die weltweiten Verbrechen der Konterrevolution 1918 bis 1935 – Bericht der Internationalen Roten Hilfe aus dem Jahr 1935″. Das Buch ist im Verlag Olga Benario und Herbert Baum erschienen und kann unter www.verlag-benario-baum.de bestellt werden. Es ist sehr dankenswert, daß der Offenbacher Verlag das IRH-Dokument neu herausgebracht hat. Für alle, die an der Geschichte der Roten Hilfe interessiert sind, quasi Pflichtlektüre.

In der Reihe „Rote Hefte“ des Verlages erschien vor wenigen Wochen auch eine Kurzversion des Buches als Heft Nr. 27. Darin enthalten das Vorwort des AutorInnenkollektivs und der Eingangstext von Helene Stassowa. Das Heft könnt ihr beim Verlag, aber auch bei unserer Ortsgruppe für 1 EUR erwerben.


„Wer eine Aenderung der Regierungsform anstrebt, kann mit dem Tode bestraft werden“

Die weltweiten Verbrechen der Konterrevolution 1918 bis 1935

„Es gibt gute Gründe, die Tradition der Internationalen Roten Hilfe zu studieren und aufrecht zu erhalten“: Mit diesen Worten schließt der Verlag Olga Benario und Herbert Baum die Einleitung zum kürzlich erschienenen Faksimile eines der vielleicht interessantesten Bücher der IRH. Ursprünglich 1935 in Paris erschienen, wirft „Die weltweiten Verbrechen der Konterrevolution 1918 bis 1935“ nicht nur ein helles Licht auf Umfang und Formen staatlicher Repression (das Exekutivkomitee der IRH spricht in seinem Vorwort von Bestialität – nicht umsonst, wie die Lektüre aufzeigen wird) in dieser Zeit und in Ländern, die uns bei der Beschäftigung mit der RH-Historie kaum einfallen würden. Vor allem zeigt der Band auch die beeindruckende Arbeit der Rote Hilfe, den Kampf gegen Faschismus, Gewaltherrschaft und bürgerliche Reaktion. Und – nicht weniger interessant – der Leser erfährt Einiges über das Selbstverständnis der IRH. Denn auch wenn sie oder die Rote Hilfe Deutschlands (RHD) den strömungsübergreifenden Ansatz nicht so offiziell formulierten wie es die Rote Hilfe e.V. heute tut: Die Rote Hilfe der 20er und 30er Jahre war durchaus kein reines Anhängsel Moskaus und bei Weitem nicht nur für parteitreue Kommunisten zuständig, wie gelegentlich unterstellt wird.

Sicher, eine gewisse Nähe zur KPdSU und der anderen kommunistischen Parteien lässt sich nicht leugnen. Das zeigt sich schon im ersten Kapitel des Sammelbandes, geschrieben von Jelena Stassowa, seinerzeit Vorsitzende des Zentralkomitees der IRH und zugleich stellvertretende Vorsitzende ihres Exekutivkomitees: „Die Idee einer solchen Organisation wurde von den alten Bolschewiki der Sowjetunion und den ehemaligen politischen Zuchthausgefangenen und Verbannten aufgegriffen und sie begannen sie zu verwirklichen. Felix Dzierzynski war der erste, der diesen Gedanken im Kreise der ehemaligen politischen Zuchthausgefangenen formulierte“, schreibt sie. Doch die Wurzeln der Idee gehen tiefer. Mit dem Beschluss zur Gründung der IRH handelte der IV. Kongress der Komintern 1922 „im Geiste der besten Traditionen der I. Internationale“, führt die Stassowa aus. „Bekanntlich war Karl Marx der erste Organisator der Hilfe für die Opfer des bürgerlichen Terrors.“ Marx immerhin gehörte – wie auch Friedrich Engels – dem 1848 in London gegründeten „Komitee zur Unterstützung der deutschen politischen Emigranten“ an.

Schon Marx verpflichtete auf strömungsübergreifende Solidarität

„Es ist äußerst wichtig hervorzuheben, daß dieser Vorläufer der gegenwärtigen Organisation zur Unterstützung revolutionärer Kämpfer die grundlegende prinzipielle Linie für die heutige Rote-Hilfe-Bewegung gegeben hat“, schreibt die Stassowa. „Marx kämpfte vor allem entschieden gegen die Umwandlung der Unterstützungsaktion für die politischen Emigranten in irgendein philantropisches und bürgerliches Wohltätigkeitsunternehmen. Er unterstrich ausdrücklich den revolutionären Klassencharakter der Hilfsorganisation, und grenzte sich entschieden von den verschiedenen bürgerlichen Organisationen zur Unterstützung der England geflüchteten deutschen Revolutionäre ab.“ Und: „Das von Marx geleitete Komitee rief weiter dazu auf, den politischen Emigranten ohne Rücksicht auf ihre politische Einstellung Unterstützung zu gewähren und sprach sich scharf gegen die bürgerlichen Spalter der Unterstützungsaktion aus, die die verleumderische Nachricht verbreiteten, daß das von Marx geleitete Komitee angeblich nur Kommunisten unterstützte“ – schon hier findet sich der strömungsübergreifende Ansatz, den auch die sowjetischen Funktionäre kannten und als wichtig erachteten. Auf diesen ließ sich freilich kaum verzichten, wurde die IRH doch von der Komintern als eines der wichtigsten Werkzeuge ihrer Einheitsfrontpolitik betrachtet.

Eine Politik, die sich zwar auch an Mitglieder der SPD richten mochte, nicht aber an die Partei selbst. Im Kapitel „Vom Nosketerror zum Hitlerfaschismus“ zieht Wilhelm Pieck, seit 1925 Vorsitzender der RHD und später erster und einziger Präsident der DDR, eine Linie vom Verrat der Sozialdemokratie an der Revolution 1918 hin zur Machtübertragung an die deutschen Faschisten 1933. Den tausendfachen Mord an revolutionären Arbeitern durch die SPD-Regierung, unter anderem nach dem Kapp-Putsch im Ruhrgebiet sowie in Sachsen und Thüringen, die Verbindungen mit der „Schwarzen Reichswehr“, Verbot des Roten Frontkämpferbundes, Fememorde und „Republikschutzgesetz“ (1922) – vor allem (aber nicht nur) in der ersten Hälfte der 1920er Jahre verriet, verfolgte und ermordete die SPD mittelbar oder unmittelbar ihre eigene Klientel. „Auf Grund des Republikschutzgesetzes wurden weit über 15.000 Anklagen gegen linksgerichtete Arbeiter erhoben und annähernd 10.000 Jahre Freiheitsstrafen verhängt“, rechnet Pieck auf. „Dieses Ausnahmegesetz der Weimarer Republik brachte in einem kurzen Zeitraum zehnmal soviel Strafen als das Sozialistengesetz Bismarcks, auf Grund dessen nur etwa 1000 Jahre Kerkerstrafe im Laufe von zwölf Jahren ausgesprochen wurden.“

„Das darf nicht dazu führen, daß die scharfe Anwendung der Schußwaffe unterbleibt.“

Doch der weiße Terror beschränkte sich nicht nur auf die 20er. Pieck zitiert Carl Severing, der abwechselnd SPD-Polizeiminister in Preußen und im Reich war. Auf einer Polizeitagung im Oktober 1930 erklärte der Minister: „Polizeiknüppel und härtere Waffen dürfen in diesem Winter nicht aus dem Dienst gestellt werden, um unruhige Volkshaufen in Schach zu halten.“ Und am 2. Juli 1932 gab Severing einen richtiggehenden Schießbefehl heraus: „Wenn ein früherer Erlaß die Abgabe von Schreckschüssen für zulässig erklärt, so darf das nicht dazu führen, daß nur noch Schreckschüsse abgegeben werden und die scharfe Anwendung der Schußwaffe unterbleibt.“ Entsprechend sah die Totenliste aus: Im Jahr 1930 zählte die RHD 36 durch die Polizei getötete Arbeiter, weitere 41 wurden durch die Faschisten ermordet. 1931 wurden 55 (Polizei) bzw. 49 (SA etc.) linke Arbeiter ermordet, 1932 gab es 81 bzw. 139 Todesopfer zu beklagen. Für das erste Quartal 1933, in dem auch die RHD von der Hitler-Regierung verboten wurde, werden noch 24 Tote durch Polizeigewalt aufgeführt – allein 13 wurden am 25. Januar in Dresden in einem verschlossenen Lokal von der Polizei erschossen. „Auch hier zeigt sich der organische Prozess, in dem sich der Faschismus aus der bürgerlichen Demokratie und der faschistische Terror aus dem Terror der sozialdemokratischen Polizeipräsidenten entwickelt“, so Pieck.

Ähnlich blutig ging es auch in Österreich zu („Der Terror des Kleriko-Faschimus in Österreich“), wo revolutionäre Arbeiter zu Tausenden ermordet, abgeschoben oder wegen Vergehen wie „literarischem Hochverat“ ins Verlies geworfen wurden. (A propos „literarischer Hochverrat“: Das so genannte „Denglisch“ ist keine Erfindung der letzten Zeit – im Buch ist von „Meetings“ und „ausgepowerten Arbeitern“ die Rede.) Je schärfer der Kampf, desto absurder die Urteile: „Am 15. Januar (1935, d. R.) wurden 4 Frauen aus Gloggnitz, die ihre in der Strafanstalt Karlau inhaftierten Männer besuchten, wegen des Tragens roter Pullmannmützen zu je 4 Wochen Arrest verurteilt.“ Wie auch in allen anderen Kapiteln findet sich auch hier eine informative statistische Aufstellung der Opfer der Reaktion. So wurden allein in Wien nach Angaben der dortigen Polizeidirektion in der Zeit vom 15. März 1933 bis zum 31. Dezember des Folgejahres 12.270 Sozialisten und 6.770 Kommunisten wegen „staatsfeindlicher Umtriebe“ verhaftet. In der selben Zeit wurden rund 50.000 Hausdurchsuchungen gegen linke Arbeiter vorgenommen.

Zwangssterilisierung und Konzentrationslager in Finnland

Dass sich trotz wachsenden weißen Terrors Widerstand und Solidarität nicht zerschlagen ließen, wird beispielhaft im Kapitel zu Italien dargestellt. Hier wuchs die Zahl der Mitglieder der Roten Hilfe trotz (oder gerade wegen) des Faschismus‘ auf 125.000 kurz vor ihrem Verbot 1926. Im Jahr 1929 zählte die Organisation immer noch 15.000 zahlende Mitglieder. Doch auch an Selbstkritik wird im Buch nicht gespart: „Gegen die Polizeikontrolle, unter der Zehntausende von Revolutionären zu leiden haben, hat die Rote Hilfe Italiens noch keinen genügenden Kampf geführt.“

Ebenfalls ausführlich widmet sich das Buch Repression und Antirepressionsarbeit in den Ländern des Balkans und des Baltikums (Konzentrationslager, Zwangssterilisierung und Militäreinsätze in Finnland) ebenso wie in Polen oder Spanien. Dann geht der revolutionäre Blick in Gegenden, aus denen hierzulande im Allgmeinen kaum etwas über den weißen Terror und die Arbeit (oder gar Existenz) der Roten Hilfe bekannt ist. Doch immerhin hatte die Organisation im Jahre 1927 Sektionen in 44 Ländern. So wie beispielsweise in Japan. Kaum vorstellbar die Lage der Arbeiter (und vor allem der zahlreichen Arbeiterinnen): Grausamste Züchtigungen für geringste Vergehen, Mordanschläge auf Arbeiter- oder Jugendführer, Arbeitssklaverei und Hungersnöte sowohl in Japan selbst als auch in seinen Kolonien wie Formosa und Korea, dazu regelrechte Ausrottungsaktionen in den besetzten Gebieten – mit erschreckender Anschaulichkeit wird dem Leser „Der Terror des japanischen Imperialismus“, so der Titel des Abschnitts, vor Augen geführt. Zugleich radikalisierte sich dem Autor zufolge mit jedem Schlag gegen die KP, mit jedem Pogrom gegen Ausländer „wegen Einschleppung kommunistischer Ideen“ die Bewegung.

Immer härter wurden auch die Schläge der Herrschenden: 1925 wurde das „Gesetz zur Aufrechterhaltung des Friedens“ erlassen, „das grausame Strafen für alle vorsah, die eine Aenderung des herrschenden Gesellschaftssystems herbeizuführen suchen“, drei Jahre später wurde die Rote Hilfe Japans verboten. Darauf folgte das „Gesetz gegen die gefährlichen Gedanken“, das Haftstrafen bis zu zehn Jahren vorsah. Dazu zitiert der Autor aus dem „Völkischen Beobachter“ vom 26. November 1934: „Im großen und ganzen konnte man mit Massenverhaftungen – es handelt sich um Zahlen bis zu 600 pro Tag und 50.000 im Jahr – der Ausbreitung der gefährlichen Gedanken nicht Herr werden.“ Logische Konsequenz der nächste Schlag, das „Staatsschutzgesetz zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit“ 1935: „Wer eine Organisation schafft oder leitet, die eine Aenderung der Regierungsform anstrebt, kann mit dem Tode bestraft werden.“ Allein die Teilnahme an einer Organisation, „die das Privateigentum ablehnt, (kann) mit Gefängnis bis zu zehn Jahren bestraft werden“ – hier drängt sich der Vergleich mit dem bundesdeutschen Paragraphen 129a geradezu auf.

Gegen die Revolution waren sich alle Staaten einig

Unter den Bedingungen des Kolonialismus, vor allem des britischen und amerikanischen, arbeitete die Rote Hilfe unter anderem in den Ländern Südamerikas und der Karibik, denen ebenfalls ein Kapitel gewidmet ist. Doch die Kolonialmächte holten nicht nur heraus, sie exportierten auch in die kolonialen oder halbkolonialen Gebiete – nämlich die Konterrevolution. So wurde ein russischer Weißgardist zum Leiter der Anti-Kommunismus-Polizei in Argentinien gemacht. Auch grenzüberschreitend waren die Staaten – bei allen sonstigen Animositäten – aktiv, wenn es nur gegen die Revolution ging: „Im April 1934 unterzeichneten die zentralamerikanischen Regierungen von Guatemala, Costa Rica, Panama, El Salvador und Nicarague ein Abkommen, das die gemeinsame Verfolgung der revolutionären Organisationen und ihrer Mitglieder vorsieht“, schreibt M. Castillo. Darin heißt es: „Im Fall von Rebellion oder Anarchie müssen die Polizeikräfte aller zentralamerikanischen Nationen gemeinsam an der Wiederherstellung der Ordnung arbeiten.“

Hier wie auch in den anderen angeführten Kolonien (dem Maghreb, Syrien, Ägypten, Niederländisch-Indien, Indochina und Indien, Südafrika) galt: „Die Herrschaft der Imperialisten stützt sich auch auf die feudalen Gutsbesitzer und auf die einheimische Bourgeoisie der kolonialen Länder.“ Eine Bourgeoisie, die zwar teilweise einen nationalen Befreiungskampf führte, dem sozialen allerdings entgegenwirkte. So heißt es über Ghandi, dass er und sein indischer Nationalkongress „den passiven Widerstand gegen die Engländer verkünden, die Rückkehr zu den reaktionären Lebensformen des Feudalismus predigen, die Gewaltlosigkeit und die Respektierung des Privateigentums propagieren“.

Über die Gefängnisregime in diesen kolonialen wie in den anderen Staaten wird im Buch ausführlich berichtet, ebenso über die Gegenaktivitäten der Roten Hilfe. Immer wieder wird auf Freilassungen nach IRH-Kampagnen verwiesen. Schlagkräftige Kampagnen, die nach Cara Zetkin (1932) vor allem einen Grund hatten: „Die alten Formen der internationalen Solidarität führten zur Zersplitterung, zur Schwächung der Hilfe selbst. Die Kräfte, die der internationalen Solidarität zugrunde lagen, bedurften des internationalen Zusammenschlusses und der Leitung, der festen Zentralisation. Die Gründung einer weltumfassenden Massenhilfsorganisation für all jene, die sich in den Ketten der Bourgeoisie befinden, ist zum Gebot der Stunde geworden.“


Die weltweiten Verbrechen der Konterrevolution 1918 bis 1935 – Bericht der Internationalen Roten Hilfe aus dem Jahr 1935, 312 S., m. Abbildungen, Verlag Olga Benario und Herbert Baum, Offenbach 2008, ISBN: 3-86589-065-8, 18 Euro

Antifaschistische Fluchthilfe 1933-1945 in der Schweiz am Beispiel Berta Urech

berta-urech_bild_300.jpgPassend zum 18. März, dem internationalen Tag der politischen Gefangenen, veröffentlichen wir ein Interview aus dem Jahre 1980 mit Berta Urech [Bild von Berta Urech entnommen von der Seite www.filmkollektiv.ch]. Berta Urech war eine Züricher Arbeiterin, die zwischen 1933 und 1945 antifaschistischen EmigrantInnen und Flüchtlingen aus Deutschland im Rahmen der Schweizer Roten Hilfe geholfen hat. Das Interview zeigt sehr plastisch, wie proletarischer Internationalismus und gelebte antifaschistische Solidarität in der schweizer ArbeiterInnenbewegung lebendig waren. Während sich die bürgerliche Schweizer Regierung beim faschistischen Nachbarn durch eine rigide Abschiebepolitik deutscher Flüchtlinge anbiederte und gegen antifaschistische Zeitungen auf Schweizer Boden mit Beschlagnahmungen und Zensur vorging, haben viele schweizer ArbeiterInnen im wahrsten Sinne des Wortes ihr letztes Hemd mit den Flüchtlingen geteilt. Neben einigen anderen Organisationen war es gerade auch die Rote Hilfe, die bei der Unterstützung der EmigrantInnen an vorderster Front stand.
Wir haben das Interview vor kurzem zufällig im Internet gefunden. Es ist entnommen aus dem Film „Berta Urech, Quartiermacherin. Eine Helferin der Flüchtlinge in Zürich-Wipkingen 1933-1945″ von Mathias Knauer (Schweiz 1988, 16mm Farbe, 17 min.)

Interview mit Berta Urech (Zürich)

Zürich Wipkingen, 1980. Wir besuchen Berta Urech, die für die Rote Hilfe seit den zwanziger Jahren politische Emigranten betreut, ihnen Unterkunft gesucht und sie beherbergt hat.

Berta Urech: (Schweizerdeutsch)
„In der Roten Hilfe habe ich geholfen, Päckli fortzuschicken, habe Kleider gesammelt und anderes, damit man Pakete in die deutschen Gefängnisse vor allem schicken konnte. Einer aus Deutschland war schon 1926 lange bei uns. Damals habe ich schon mitgeholfen und dafür gesorgt, daß es für die Emigranten Quartiere gab.
Ich kam 1915 nach Zürich und habe 1917 geheiratet. Mein Mann war Sozialdemokrat, in der Partei und in der Gewerkschaft. Und 1921 ist dann die Kommunistische Partei gegründet worden, und 1924 haben wir die Rote Hilfe gegründet; da bin ich eingetreten – habe schon bei der Gründung mitgeholfen.
Ich war immer in der Roten Hilfe – da haben wir alle Jahre ein Fest gemacht, damit die Rote Hilfe wieder etwas Geld in ihre Kasse bekam, nicht wahr.
Wir haben Kartoffeln gekocht und Kartoffelsalat – da habe ich immer in der Küche mitgeholfen.
Aber später, als dann der Hitler kam, da wurde es schwierig. Da hat man eben die Rote Hilfe ausgebaut, und da habe ich von allen Bezirken der Stadt Leute zugewiesen bekommen, die sich bei der Roten Hilfe angemeldet hatten.
Nicht wahr: es gab ja verschiedene Organisationen, die Flüchtlinge aufnahmen; die Sozialdemokraten haben auch Emigranten angenommen. Aber wir hatten vor allem Kommunisten – die haben sie ja am meisten verfolgt, die Kommunisten.
Ja: viele hatten Emigranten, da drüben im Kreis 10. Aber die meisten von ihnen sind gestorben, sie leben nicht mehr.

Der Coiffeur Blattmann! Mit dem hatte ich eine Vereinbarung, daß er alle Monate eine gewisse Portion Emigranten zum Haare schneiden, Rasieren und so – der hatte manchmal alle Tage zwei oder drei, denen er gratis die Haare geschnitten hat, auch Frauen schnitt er die Haare. Später hat er ja gewirtet – gerade gegenüber, in der ‚Habsburg‘ – aber damals war er lange Coiffeur.
Die Leute waren sehr gut eingestellt gegen den Faschismus – alle gaben freiwillig, und man hat selten eine Absage bekommen. Aber als es dann gar nicht mehr gegangen ist, da habe ich einfach die Wirte abgesucht und mit ihnen geredet: Sie sollten doch Emigranten nehmen. Man hat unter den Wirten viele gefunden.
Und dann gab es ja noch das Problem der Kleider. Viele kamen ja ohne Kleider in die Schweiz, sie mußten durchs Fenster, übers Dach flüchten, durch die Wälder ziehen, um in die Schweiz zu kommen. Viele sind ja über den Rhein geschwommen, oder anderswo, und kamen naß hierher. Da mußte man doch sehen, daß sie Kleider bekamen. Man hatte natürlich kein Geld, ihnen Kleider zu kaufen, wir waren einfach auf dem Hund; wir hatten fast nichts mehr.

Und so ging ich einfach in die oberen Kreise hinauf, in den Kreis 7, wo die Sozialdemokratischen hauptsächlich gesessen sind – die Sozialdemokratie hatte ja viele Mitglieder dort oben, Lehrer, Realschullehrer, alles mögliche, so Wissenschafter und Zeugs – da bin ich eben dort hinaufgegangen und habe einfach Kleider gesammelt.

Ich ging mit den Leuten einfach reden – ganz offen: ob sie nicht einen Emigranten nähmen, vielleicht zum übernachten oder so… Und dann habe ich Betten zusammengetrommelt – da und dort bekam ich Betten, die waren natürlich nicht mehr die neusten, aber immerhin, man konnte darin schlafen.
Ich mußte ja fast jeden Tag etwas suchen. Ich schlief manchmal nur von eins bis morgens vier oder fünf. Da mußte ich auf, habe die größten Wäschen gemacht und am Abend mußte ich wieder zur Arbeit!
Ich kam manchmal nach Hause, stellte den Korb ab und bin auf die Suche gegangen. Und manchmal hatte ich selber zwei, drei in der selben Nacht. Mein Mann mußte oft den Militär-Kaput als Decke nehmen – ich brauchte alles, bis ich alle unter der Decke hatte! Nachts konnte ich sie ja auch nicht draußen lassen. Die Sache ist halt auch immer schwieriger geworden.
An manchen Orten konnten wir zwar etwas zahlen, wenn auch nicht viel – wo es Arbeiter waren, die selber sehen mußten, wie sie durchkamen. Und so sind wir eben, jeweils am Sonntag Morgen gruppenweise Sammeln gegangen, damit wir wieder etwas zahlen konnten.
Ja, das war noch schön: da konnte man mit den Leuten reden. Ich machte zu Hause eine Fleischsuppe, die konnte auf der kleinen Flamme von selber kochen, und dann bin ich auf Agitation gegangen.

Ich muß sagen: es hat mich niemand verraten von allen, mit einer Ausnahme: Ich mußte einen ganz tüchtigen Burschen unterbringen, Krebser hieß er. Ich habe dem an der Kyburgstraße ein Quartier gefunden, und am anderen Morgen ist der verhaftet worden. Am Abend vorher war ich noch in der Nähe und habe dort auch geworben, da kam dort eine Frau zur Tür heraus und sagt mir: Jesses Mal, Genossin! Gehen sie nicht zu dem, das ist ein Verräter. Und der hat offenbar gesehen, daß ich jenen Emigranten zu der Frau an der Kyburgstraße gebracht habe, hat es der Polizei angezeigt, und so haben sie den am Morgen gerade abgeholt.

Zwanzig Haussuchungen habe ich gehabt! Aber nie haben sie einen Emigranten erwischt und nichts… (lacht:) Ich kann natürlich nicht alles erzählen, wie ich das gemacht habe, sonst merkt das die Polizei…
Sie machten mir Haussuchung und es waren zwei Emigranten in Haus und doch haben sie keinen erwischt. Irgendwie haben wir den hinaus gebracht!
Und sie haben mir Abdrücke gemacht von der Schreibmaschine, die ich hatte – sie konnten mir nie Vorwürfe machen.
Ich habe mich einfach immer darauf versteift, wenn sie etwas fragten: ich weiß es nicht, ich weiß nichts und kann nichts sagen. Man durfte natürlich nicht alles sagen, nicht wahr, wie ich gearbeitet habe.
Oder ein anderes Mal sind sie gekommen schon am frühen Morgen, um fünf. Jemand vom Haus kam mir sagen: Passen sie auf, sie kommen jetzt. Sie sind jetzt in der Anlage drüben, aber sie kommen. So habe ich das gemerkt. Und ich hatte damals über 200 Adressen eines Vereins, wo ich Emigranten plazieren konnte. Da nahm ich die und habe sie im Ofen verbrannt. Damals hatte man ja noch einen Heizofen! Sie haben dann noch einen Stecken genommen und wollten es herausholen, aber sie konnten nichts mehr damit anfangen. Sie sagten: So, sie haben alles verbrannt! Und ich sagte: Ich habe das Recht, zu verbrennen, das ist mein Ofen. Ich kann verbrennen was ich will, das ist meine Sache.
Die hätten doch dort bei allen 200 Haussuchungen gemacht, und sie hätten dort ein paar erwischt.
Ich hatte eben Unangemeldete ab und zu, und das durfte man nicht, von der Polizei aus…“

Berta Urech ist 1985 mit 93 Jahren gestorben.

Bericht von einer RHD-Städteführung in Berlin

rhd-amnestiekundgebung_berlin_1927_bild_500.jpgIm Dezember 2008 hatten wir den Historiker und Journalisten Nikolaus Brauns als Referenten bei uns zu Gast, wo er zur Geschichte der Roten Hilfe Deutschlands (RHD) der Weimarer Republik sprach. Am letzten Wochenende fand in Berlin eine spannende Stadtführung statt, in der Nikolaus Brauns Orte und Ereignisse im Zusammenhang mit der RHD veranschaulichte.
Claudia Wangerin hat in der jungen Welt vom 16.03.2009 einen kurzen Artikel zu dieser „DenkMalTour“ verfaßt.

Wir denken, nicht nur Berlin hat viele solcher geschichtsträchtigen Rote Hilfe-Orte zu bieten, auch in MV gibt es in dieser Hinsicht sicher noch einige interessante Plätze und Geschehnisse mit direktem RHD-Bezug.


Ausflug in Zwischenkriegszeit

„DenkMalTour“ auf den Spuren der Roten Hilfe in Berlin

Von Claudia Wangerin

Fahrradkuriere der Roten Hilfe mit Büchern für politische Gefangene flitzten durch die Straßen Berlins, in der Weddinger Anwaltskanzlei der späteren DDR-Justizministerin Hilde Benjamin drängten sich Mandanten, die zum Teil so arm waren, daß die „Rote Hilde“ von ihnen kein Geld nahm – und 120.000 Menschen demonstrierten im Lustgarten gegen die Hinrichtung der Anarchisten Sacco und Vanzetti in den USA.

All das geschah in den 1920er Jahren. Für die Teilnehmer einer „DenkMalTour“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der NaturFreunde Berlin ließ Historiker und jW-Autor Nick Brauns am Samstag die Geschichte wieder lebendig werden. Anlaß war der bevorstehende „Tag der politischen Gefangenen“, zu dem die linke Solidaritätsorganisation im Jahr 1922 den 18. März erklärt hat. Das Datum erinnert an die blutige Niederschlagung der deutschen Revolution 1848 und der Pariser Kommune 1871.

In der Weimarer Republik hatte die Rote Hilfe für die Freilassung Tausender politischer Gefangener aus der Arbeiterbewegung gekämpft, Geld und Lebensmittel für deren Familien gesammelt und Rechtsanwälte für politische Prozesse gestellt.

Bis zu 7.000 proletarische Gefangene saßen damals in den Zuchthäusern. Aber nicht nur das: „Die Rote Hilfe hatte allein in Berlin und Brandenburg 30.000 Einzelmitglieder“, erzählt Brauns.

Die „DenkMalTour“ führte 20 Teilnehmer vom Reichstag, wo einst kommunistische Abgeordnete um Amnestiegesetze gerungen hatten, über die ehemalige Reichszentrale der Roten Hilfe in der Dorotheenstraße bis zum Landgericht in der Littenstraße und endete am Alexanderplatz vor dem Einkaufszentrum „Alexa“, wo vor dem Krieg das Polizeipräsidium stand.

Die Littenstraße ist heute noch nach dem Rote-Hilfe-Anwalt Hans Litten benannt, der von den Nazis in den Tod getrieben wurde, nachdem er sich Anfang der 1930er Jahre vor Gericht dem Terror des SA entgegengestellt und junge Antifaschisten verteidigt hatte. In der Dorotheenstraße dagegen erinnert heute nur noch der Copy-Shop „Copy Clara“ an den Straßennamen, den sie zu DDR-Zeiten trug – sie war nach der früheren Vorsitzenden der Internationalen Roten Hilfe Clara Zetkin benannt.

Zwei Geschichtsveranstaltungen der Roten Hilfe Greifswald

rh-veranstaltungen_im_dezember_2008_bild_500Am 04.12. und am 10.12. (Internationaler Tag der Menschenrechte) veranstalten wir als Ortsgruppe in Kooperation mit dem Hans-Litten-Archiv jeweils Veranstaltungen zur Geschichte der Roten Hilfe Deutschlands in der Weimarer Republik.

Für Donnerstag, den 4. Dezember 2008, haben wir Dr. Nikolaus Brauns als Referenten gewinnen können. Der Historiker und Journalist hat in den letzten Jahren mehrere Beiträge zur Geschichte der Roten Hilfe Deutschlands (RHD) veröffentlicht und 2003 im Pahl Rugenstein Verlag das sehr lesenswerte Buch „Schafft Rote Hilfe! Geschichte und Aktivitäten der proletarischen Hilfsorganisation für politische Gefangene in Deutschland (1919-1938)“ herausgegeben.
Nikolaus Brauns wird zum Thema „Die Rote Hilfe Deutschlands – zur Geschichte der proletarischen Rechtshilfeorganisation in der Weimarer Republik“ sprechen.
Die Veranstaltung findet im IKuWo, Goethestraße 1, 17489 Greifswald statt und beginnt um 21:00 Uhr.

Am Mittwoch, den 10. Dezember 2008, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, wird Jan Steyer über “Hans Litten – Wirken eines antifaschistischen Rechtsanwalts in der Weimarer Republik” referieren und dazu einen Film über die Anwälte der Roten Hilfe zeigen. Auch diese Veranstaltung findet im IKuWo statt, beginnt jedoch schon um 20:00 Uhr.

Antifaschistisches Gedenken: Verlegung von Stolpersteinen in Greifswald

stolpersteine_bild_200Zur Zukunft gehört auch stets das Gedenken – unter anderem an die Opfer des Nationalsozialismus und die WiderstandskämpferInnen gegen die Nazis. Zu denen, die schon weit vor der Machtübertragung an die NSDAP von den Nazis als politische Feinde bekämpft wurden, gehörten auch viele Rote HelferInnen. Wie alle Organisationen der ArbeiterInnenbewegung wurde auch die Rote Hilfe Deutschland gleich nach dem Machtantritt der Nazis verboten, die Gebäude und das Vermögen konfisziert und viele ihrer Aktiven verhaftet, gefolter oder ermordet. Andere Rote HelferInnen konnten abtauchen oder ins Ausland flüchten – auch hier wurde ein nicht unerheblicher Anteil der Fluchthilfe (nach Holland, Dänemark, Schweden, die CSR, Frankreich oder auch ins – noch nicht annektierte – Saarland) durch Rote HelferInnen – oftmals unter Lebensgefahr – organisiert.
Deswegen ist uns als Roter Hilfe neben der tagtäglichen Antirepressionsarbeit auch das Gedenken an die damaligen Roten HelferInnen wichtig.

Die staatliche und offizielle Gedenkpolitik in Deutschland und gerade auch in der Hansestadt Greifswald zeichnet sich aber häufig immer noch durch Ignorieren aus. Nicht selten erweist sich das offizielle Gedenken vielmehr als „Tätergedenken“, wo nämlich deutschen Wehrmachts- und SS-Mördern „in einem Abwasch“ mit den Toten der alliierten Anti-Hitler-Koalition und den Ermordeten in Konzentrations- und Vernichtungslagern gleichermaßen und unterschiedslos „gedacht“ wird. Das führt so weit, daß in einzelnen Bundesländern (exemplarisch seien hier Thüringen und Sachsen genannt) die KZ-Gedenkstätten geschichtsrevisionistisch umgestaltet und der NS-Faschismus relativiert wird.

Seit kurzem haben sich in der Hansestadt Greifswald einige Gruppen unabhängig voneinander zusammengefunden, um dem Schweigen und Geschichtsverdrehen eine alternative und antifaschistische Gedenkkultur dagegenzusetzen. Dabei soll an die Opfer wie auch an die WiderstandskämpferInnen gedacht und die TäterInnen beim Namen genannt werden.
Durch die Initiative „Schon vergessen?“ z.B. wurde so das Verschweigen bezüglich der beiden Greifswalder Obdachlosenmorde von 2001 durchbrochen. Am 25.11.2007 (genau 6 Jahren nachdem 3 jugendliche Nazis den Obdachlosen Eckard Rütz vor der Greifswalder Mensa mit Zaunlatten zu Tode geprügelt hatten) konnte so ein Gedenkstein für Eckard Rütz aufgestellt werden – wohlgemerkt nicht von der Stadt finanziert, sondern durch gesammelte Spendengelder.

Eine weitere Initiative ist die Initiative „Stolpersteine für Greifswald“, die ebenfalls durch Spendenmittel erreicht hat, daß nun erstmals auch in Greifswald sog. Stolpersteine namentlich an die Opfer und GegnerInnen des Faschismus erinnern. Am Donnerstag, den 10.07.2008 werden die ersten 11 Stolpersteine verlegt. Hierzu dokumentieren wir einen Text der Initiative „Stolpersteine für Greifswald“. Die Initiative freut sich über Vorschläge für weitere Namen (am besten mit kurzer Biographie), derer mittels Stolpersteinen in Greifswald gedacht werden sollte. Insbesondere die Opfer unter der organisierten Arbeiterschaft Greifswalds (SPD, KPD, Gewerkschaften, ArbeiterInnenvereine u.a.) wären hier noch einmal gezielt zu beleuchten. Kontakt zur Initiative: stolpersteine.hgw[ät]gmx.de

Hier die Mitteilung der Initiative „Stolpersteine für Greifswald“:


„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“

In Greifswald werden am 10. Juli 2008 „Stolpersteine“ verlegt, die zukünftig an die Greifswalder Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen. Ihren Platz finden Stolpersteine im Straßenpflaster vor den ehemaligen Wohn- oder Arbeitsstätten von Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Die ersten vier Steine wird der Kölner Künstler Gunter Demnig am 10. Juli 2008 ab 9.30 Uhr in der Brüggstraße 12 verlegen. Insgesamt werden am 10. Juli in Greifswald an sechs Orten 11 Stolpersteine verlegt:

9.30 Uhr, Brüggstraße 12
Stolpersteine für Julius, Thea, Hans und Gert Futter

ca. 10.00 Uhr, Historisches Institut, Donstraße 9a
Stolperstein für Dr. Gerhard Knoche

ca. 10.30 Uhr, Pharmakologisches Institut, Friedrich-Löffler-Straße 23d
Stolperstein für Dr. Rudolf Kaufmann

ca. 11.00 Uhr, Friedrich-Löffler-Straße 3
Stolperstein für Elise Rosenberg

ca. 11.30 Uhr, Robert-Blum-Straße 11
Stolpersteine für Alice Weißmann und Paula Sichel

ca. 12.00 Uhr, Gützkower Straße 39
Stolpersteine für Friederike und Georg Feldmann

Die Verlegungen erfolgen öffentlich – herzliche Einladung!

Hamburg: RH-Veranstaltung zu Hans Litten, Anwalt der Roten Hilfe Deutschland

Wir möchten euch auf eine aktuelle Rote Hilfe-Veranstaltung am 04.02.2008 in Hamburg hinweisen und dokumentieren hier die Veranstaltungsankündigung der Roten Hilfe Hamburg und des Hans-Litten-Archivs:


Wider das Vergessen …
… in Erinnerung an die Rechtsanwälte der Roten Hilfe in der Weimarer Republik

Liebe Genossinnen und Genossen, wir wollen Euch ganz herzlich zu einem geschichtsträchtigen Abend in unser Café im Internationalen Zentrum B5 einladen. Wir möchten gemeinsam einen Blick zurück in die Geschichte werfen und das Leben des Rechtsanwaltes der Roten Hilfe Hans Litten betrachten.

Hans Litten, geboren 1903 und Anwalt der Roten Hilfe, verteidigte hauptsächlich kommunistische Arbeiter, die wegen ihrer politischen Überzeugung und ihres Kampfes gegen die Nationalsozialisten verhaftet wurden. Nach Abschluss seines Jurastudiums 1928 lehnte Litten die Angebote renommierter Kanzleien ab, um im Namen der proletarischen Selbsthilfeorganisation Rote Hilfe die Verteidigung politisch verfolgter Arbeiter zu übernehmen. Berühmtheit erlangte Hans Litten durch seine großen Prozesse. 1929 stellte Hans Litten Anzeige gegen den damaligen Berliner Polizeipräsidenten Zörgiebel – wegen Anstiftung zum Mord in 33 Fällen. Wegen Zörgiebels allgemeinen Verbotes politischer Veranstaltungen wurden bei der Auflösung der 1.-Mai-Demonstration in Berlin 33 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Trotz Littens hartnäckiger Bemühungen hatte die Anzeige für Zörgiebel keine Konsequenzen. Eine seiner Losungen lautete: „In politischen Prozessen widerspricht die Aufklärung der Hintergründe häufig dem Interesse der herrschenden Klasse.“ Dann wurde Litten als „Mann, der Hitler in die Enge trieb“ bekannt, weil es ihm1931 gelang, den Führer der faschistischen NSDAP beim Prozess um einen SA-Überfall auf den Berliner „Tanzpalast Eden“ als Zeugen vorzuladen. Im Verhör wies Litten nach, daß der SA-Terror trotz aller Legalitätsschwüre einer planmäßigen Taktik Hitlers zur Destabilisierung der Weimarer Republik entsprang. Nach Morddrohungen in der faschistischen Presse stellte die Rote Hilfe Litten Arbeiter als Leibwächter zur Verfügung. Als ihm Genossen nach der faschistischen Machtübernahme zur Flucht rieten, erklärte Litten: „Die Millionen Arbeiter können nicht heraus, also muß ich auch hier bleiben.“ Doch Hitler hatte den Mann, der ihn einst vor Gericht bloßstellte, nicht vergessen: Bereits am 28. Februar 1933, dem Morgen nach dem Reichstagsbrand, wurde er in „Schutzhaft“ genommen. In den nächsten fünf Jahren folgte ein schwerer Leidensweg durch verschiedene Zuchthäuser und Konzentrationslager, bis Litten in der Nacht zum 5. Februar 1938 im KZ Dachau von den SS-Schergen in den Selbstmord getrieben wurde.

Film- und Diskussionsveranstaltung Hans Litten – der „Anwalt der Arbeiter“
Montag, 4. Februar 2008
mit Rechtsanwalt und Autor Dr. Heinz-Jürgen Schneider
Beginn 20.00 Uhr, Essen ab 19.30 Uhr im Rote-Hilfe-Café in der B5, Brigittenstraße 5, St. Pauli

Wir würden uns sehr freuen, Euch begrüßen zu dürfen!

Eure OG Hamburg der Roten Hilfe e.V. und das Hans-Litten-Archiv e.V.

Gemeinsamer Appell der SPD und der RHD Juni 1935

Gemeinsamer Appell der SPD und der RHD Juni 1935 (pdf)

„Einheit im Kampf
gegen faschistischen Terror!“

Gemeinsamer Appell der Bezirksleitungen
der SPD Berlin-Brandenburg
und der Roten Hilfe Berlin-Brandenburg
vom 29. Juni 1935

Eine Terrorwelle unerreichten Ausmaßes rast über Deutschland hinweg. Massenverhaftungen, Mißhandlungen, Morde sind an der Tagesordnung: Matern, Krüger, Fiete Schulze hingerichtet; Husemann (SPD), Jürgensen (KPD) in Fuhlsbüttel erschossen; Helene Glatzer (KPD), Jakobs (SPD) im Gefängnis ermordet; Brandes (Gewerksch.), Maddalena, Stamm, Rembte in Lebensgefahr. Das sind nur einige Namen der weit über hundert allein in den letzten Wochen Ermordeten und der Zehntausende, die täglich im Kerker vom Tode bedroht sind.

Hamburg meldet:
Jede Woche ermordet die Gestapo 2 Antifaschisten! Über tausend Verhaftungen! Prozeß gegen 74 Arbeiter wegen gemeinschaftlichem Mord!

Westdeutschland meldet:
Überall neue Massenverhaftungen! Berliner Gestapo mordet im Wuppertal.

Sachsen meldet:
Große Erregung wegen Reinsdorfer Explosion! Gestapo verhaftet wahllos Hunderte Männer und Frauen.

Berlin meldet:
Blindwütiges Toben der Gestapo in allen Bezirken! Massenverhaftungen von ehemaligen SPD- und KPD-Anhängern und christlichen Werktätigen! Wiederaufrollung des Richardstr.-Prozesses, Todesurteile drohen!

Was ist mit Ernst Thälmann? Was ist mit Mierendorf? Was ist mit Ossietzky?

Riesengroße Gefahren drohen den Führern der Arbeiterschaft und allen anderen Antifaschisten, die in den Kerkern des Hitlerfaschismus sitzen. Der brutale Terror soll den Widerstand der Werktätigen gegen die kriegstreiberischen Maßnahmen der Hitlerdiktatur brechen und ist somit ein Teil der direkten Kriegsvorbereitung. Der Kampf gegen den faschistischen Terror und die Hilfe für die Opfer dieses Terrors werden zu wichtigen Kampfhandlungen zur Erhaltung des Friedens.

In der Erkenntnis, daß die Lage äußerst ernst ist und nur einheitliche Aktionen der Arbeiterklasse erfolgreich sein können, sind die unterzeichneten Leitungen der SPD und der Roten Hilfe ein Abkommen eingegangen, in dem sie sich unbeschadet ihrer sonstigen politischen und weltanschaulichen Einstellung verpflichten:
a) zu gemeinsamen Kampfmaßnahmen gegen faschistischen Terror und gegen Spitzel und Provokateure,
b) zur gemeinsamen Unterstützung der Opfer des faschistischen Terrors ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit und Weltanschauung,
c) zu gemeinsamen Maßnahmen zur Aufbringung der Mittel für die Unterstützungen,
d) zur Schaffung organisatorischer Voraussetzungen für die Durchführung der Arbeiten.

Indem die unterzeichneten Leitungen dieses bekanntgeben, verpflichten sie die ihnen untergeordneten Gruppen und Leitungen, allen Anweisungen der bezirklichen Instanzen in bezug auf die. gemeinsame Arbeit Folge zu leisten und auch ihrerseits die größtmöglichste Initiative auf dem Gebiet einheitlicher Kampfmaßnahmen zu entfalten.

An alle Gegner des faschistischen Terrors über den Rahmen der unterzeichneten Organisationen hinaus richten diese den Appell, nicht abseits zu stehen, sondern auch ihrerseits mit allen Kräften mitzuhelfen, die einheitliche Front gegen den faschistischen Terror noch mehr zu verbreiten.

Es lebe der Kampf der geeinten Arbeiterklasse und aller Werktätigen gegen faschistischen Terror und Kriegsvorbereitung, für die Befreiung Thälmanns, Mierendorfs, Brandes, Ossietzkys und anderen eingekerkerten Antifaschisten!

Berlin, 29. 6. 35

Bezirks-Vorstand der RHD Bez. Berlin-Brandenburg
Bezirks-Leitung der SPD Bezirk Berlin-Brandenburg

aus: Zur Geschichte der Kommunistischen Partei Deutschlands. Eine Auswahl von Materialien und Dokumenten aus den Jahren 1914-1946, Dietz Verlag, Berlin 1954, Seite 366-367.

Gestapo über die RHD September 1935

Gestapo über die RHD September 1935 zum Download (pdf)

Siebenseitige Ausarbeitung der Geheimen Staatspolizei vom September 1935 über die RHD

Die Rote Hilfe (RHD)

Die Rote Hilfe war eine der grössten Massenorganisationen der legalen KPD. Daneben war sie aber auch eine der wichtigsten Nebenorganisationen, weil sie der Parteikasse erhebliche Summen zuführen konnte.
Die besondere Bedeutung der R.H. veranlasste daher auch das ZK der KPD zugleich mit dem Aufbau der Parteiorganisationen auch den Wiederaufbau der RH. durchzuführen.
Die Organisation der RH. ist folgende:
Oberste Instanz ist der Zentralvorstand der RH., dessen Mitglieder sich zum Teil im Auslande befinden. An der Spitze der RH.-Gruppen im Reich steht die Reichsleitung. Das Reichsgebiet ist ähnlich der Parteiorganisation in Bezirke eingeteilt. Je nach der Mitgliederstärke werden 3 bis 5 Bezirke in einem Ober-Bezirk zusammengefasst, den ein Oberberater der RH. zu verwalten hat. Den Bezirk leitet der Bezirksvorstand, der aus dem Pol[itischen]- und Org[anisations]leiter, Kassierer, Emigrantenobmann, Frauenabteilungsleiter und dem Kurier besteht. Die Bezirke sind in zwei Hauptgebiete und diese erforderlichenfalls in Instruktionsgebiete gegliedert. Der Hauptgebietsleiter hat die Verbindung mit dem Bezirksvorstand aufrecht zu erhalten. Ihm unterstehen die Instruktionsgebietsleiter. Jedes Instruktionsgebiet ist in Bezirks- oder Ortsgruppen unterteilt. Die Bezirks- oder Ortsgruppen endlich gliedern sich je nach Grösse in Stadtteile, Strassen- oder Betriebszellen, die aus Dreiergruppen bestehen.
Die Rote Hilfe hat neben propagandistischen Aufgaben als Hauptaufgabe die finanzielle und sachliche Betreuung der Straf- und Schutzhaftgefangenen, sowie deren Angehörige und der Emigranten durchzuführen. Zu diesem Zweck hat sie sich die erforderlichen illegalen Verbindungen nach dem Ausland, die nötigen falschen Ausweispapiere usw. zu beschaffen. Die Mittel hierfür müssen durch Erhebung von Mitgliedsbeiträgen, Verkauf von Literatur usw. aufgebracht werden.
Auch in der Verbreitung der Hetz- und Greuelpropaganda gegen das neue Deutschland spielt die RH. eine sehr große Rolle. Die hauptsächlichsten Zentralen für die Greuel-Propaganda sind: Prag, Paris und Basel. Hieraus ergibt sich auch die besondere Gefährlichkeit dieser Organisation. Daneben gilt die RH. auch heute noch als eine gute Geldquelle für die illegale KPD.
Nach den aus den Monaten Juli und August 1935 vorliegenden Berichten zu urteilen, besitzt die RH. heute wieder eine das ganze Reichsgebiet umfassende und gut ausgebaute Organisation. Aus allen Teilen des Reiches wird nicht nur eine äusserst rege Propaganda, sondern auch eine lebhafte Sammel- und Werbetätigkeit gemeldet. Bemerkenswert ist, dass in Dortmund Partei-Spitzenfunktionäre auch gleichzeitig RH-Funktionen ausgeübt haben. Die RH. ist somit die einzige Organisation der illegalen KPD, die fast ununterbrochen weiter arbeiten konnte, trotzdem durch erfolgreiche polizeiliche Zugriffe Teile des Apparates aufgeräumt wurden. Dies hat seinen Grund in der Hauptsache darin, dass der Funktionärskreis der RH ein viel breiterer als der der KPD ist. Ausserdem sind viele Funktionäre nicht Mitglieder der KPD und deshalb auch nicht als Kommunisten bekannt geworden.
Ferner konnte in den Grenzbezirken festgestellt werden, dass die RH über bessere und schneller arbeitende Verbindungen in das Ausland verfügt, als die illegale KPD. (z.B. bei Fortschaffung von Flüchtlingen).
Besondere Beachtung verdient ein Beschluss der süddeutschen Leiter der RH, der auf einer Konferenz in der Schweiz gefasst wurde. In diesem Beschluss wird angeordnet, dass nicht nur Angehörige der KPD, sondern auch solche der SPD und sogar der NSDAP, SA und SS betreut werden sollen, sofern sie aus politischen Gründen in Haft genommen werden. Dieser Beschluss zeigt mit aller Deutlichkeit die Gefährlichkeit der RH.
Im übrigen macht sich auch hier das Bestreben bemerkbar, nicht nur alle kommunistisch eingestellten Personen, sondern überhaupt alle Antifaschisten und auch Unzufriedenen und Verärgerten zusammen zu fassen und für das Ziel des internationalen Kommunismus, die Weltrevolution zu gewinnen.
Aus den vorliegenden Meldungen ist ferner zu ersehen, dass in einigen Bezirken erhebliche Summen und auch Sachwerte zur Unterstützung von politischen Gefangenen und deren Angehörige gesammelt worden sind. Nach den Feststellungen wurden monatliche Unterstützungsbeiträge von durchschnittlich RM 5,-- bis RM 10,-- gezahlt. Wenn diese Beiträge auch gering sind, so wird dennoch durch diese Unterstützungen der fanatische Wille der KPD Mitglieder und Anhänger für die Ziele des Kom[munismus] zu kämpfen aufrecht erhalten und sogar gestärkt.
Nachstehend Auszüge von lediglichen wesentlichen [handschriftlich korrigiert] Berichten der Staatspolizeistellen und Politischen Polizeien der Länder:

Stapo Aachen
Im deutschen Grenzwall wurden grosse Mengen Hetz- und Klebezettel mit den Fotokopien von Kopfbildern Thälmann’s, Mierendorf’s, Eugen Schönhaar’s usw. gefunden, die sämtlich die Überschrift „RHD“ tragen. Dieses Material ist von Emigranten aus dem dortigen Bezirk über die Grenze geschafft und im Grenzwall ausgestreut bezw. geklebt worden. Gleichartiges Material wurde auch in erheblichem Umfange in Personenzügen, die aus Belgien und Frankreich kamen, gefunden.
Ferner wird die Inschutzhaftnahme von 4 RH-Mitgliedern gemeldet, die aber den Anweisungen über das Verhalten der Polizei und dem Richter gegenüber entsprechend jede Aussage über ihre Gesinnungsgenossen und Hintermänner verweigern.
Nach Festnahme des RH-Funktionärs Packschys, der bereits 1934 die RH. im Bereich der Stapo Aachen aufgezogen hatte, konnte der gesamte Apparat aufgerollt werden. Beiträge wurden nach der Höhe des Einkommens der Mitglieder gestaffelt eingezogen. Es sind erhebliche Summen in Einzelbeträgen von RM 6,- bis RM 8,- an die Frauen und Angehörigen der zu längeren Zuchthausstrafen verurteilten Mitglieder gezahlt worden. Der Kreis der Unterstützten ist recht gross. Eine klare Übersicht konnte noch nicht gewonnen werden. Bemerkenswert ist, dass sich auch Frauen für die Mitarbeit zur Verfügung gestellt haben. Sammlungen wurden bis in die jüngste Zeit durchgeführt.

Stapo Berlin
In der RH-Sache Jahn und Gen. erfolgten weiter zahlreiche Festnahmen. Es wurden in erheblichem Umfange Zellenzeitungen verbreitet. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Stapo Dortmund
meldet Festnahme von mehreren Personen, die den Wiederaufbau der RH. versucht haben. Es wurde festgestellt, dass Partei-Spitzenfunktionäre mit RH-Funktionären in enger Verbindung standen und sogar RH-Funktionen in Personalunion innehatten.

Stapo Düsseldorf
In Remscheid gelang es, eine starke Zelle der RH. auszuheben. 22 Personen wurden festgenommen und dem Richter vorgeführt. Die Festgenommenen haben für die Familien und Angehörigen einsitzender Kommunisten Lebensmittel und Bargeld gesammelt und an diese verteilt. Die Spender wollen sie nicht kennen.

Stapo Potsdam
Im Bereich der Stapo Potsdam ist festgestellt worden, dass die RH Sammlungen durchführt. Die Ermittlungen schweben.

Stapo Saarbrücken
Im Saargebiet sind an vielen Stellen Versuche zum Wiederaufbau der RH festgestellt worden.

Bayrische Politische Polizei
Die RH trat in Erscheinung durch Vertreiben umfangreichen Werbematerials und Betreiben von Greuelpropaganda. An Literatur wurde vertrieben: Die „Rote Fahne“, „Inprekorr“ und das „Tribunal“. Ausserdem tauchten Klebezettel in grüner Farbe mit den Kopfbildern von Ossietzsky, Muhsen [vermutlich gemeint: Erich Mühsam], Schönhaar usw. in grösseren Mengen auf. In diesem Zusammenhange konnten bereits grössere Festnahmen erfolgen.

Ferner wurden zahlreichen Künstlern aus Paris Hetzblätter übersandt, die „RHD“ unterzeichnet waren. In diesen Flugblättern wurde unter Hinweis auf die gegen die Schauspieler der „Katakombe“ und des „Tingel-Tangel’s“ und dem Bühnentrupp durchgeführten gebührenden Massnahmen gegen den Nationalsozialismus gehetzt […]. Die Hetzblätter enthielten auch eine Greuelmeldung über den angeblichen Selbstmord der Kläre Waldorff [gemeint: Claire Walldoff].

Gestapo Stuttgart
In Württ[emberg] besitzt die RH. einen umfangreichen und gut organisierten Apparat. Ausserdem bestehen in verschiedenen Grossbetrieben Stuttgarts kleinere Betriebszellen. Den Hauptrückhalt der RH. in Württ[emberg] bildet die Grenzleitstelle in Zürich, von der aus die Bez.-Ltg. [Bezirksleitung] mit Material und Geld versorgt wird. Es konnten infolgedessen 80 Personen, deren Angehörige aus politischen Gründen einsitzen, fast regelmäßig mit RM 5,-- bis RM 10,-- monatl. unterstützt werden.
Das „Tribunal“ wurde fast regelmäßig in Auflagen von 500-1500 Exemplaren herausgebracht.
Das Funktionärreservoir schien unerschöpflich. Zum Teil übernahmen Parteifunktionäre in den Stadtteilen auch die Arbeit der RH.
Besonders bemerkenswert ist noch ein Beschluss der süddeutschen Leiter der RH, in dem auch die Unterstützung von SPD-, NSDAP-, SA- und SS-Angehörigen angeordnet wird, sofern diese aus politischen Gründen in Haft genommen worden sind.