Archiv der Kategorie 'Rote Hilfe Ortsgruppen'

Rote Hilfe Veranstaltungen in Westmecklenburg

In Schwerin und Gadebusch finden im Rahmen des „Fetten März“ Veranstaltungen der Roten Hilfe statt.

Schwerin – 18.03.2013, 19:00 im Komplex

Info- & Diskussionsveranstaltung:
„Was tun wenns brennt?“
mehr


Gadebusch – am 20.März. 2013 – 19.00 Uhr im Kulturbeutel:

Info- & Diskussionsveranstaltung:
„Ich verweigere die Aussage – Keine Zusammenarbeit mit den staatlichen Repressionsapparaten“

Gerechtigkeit und Wahrheit für Oury Jalloh

Vortrag Oury Jalloh

Der Mitschnitt des Vortrages ist nun hier online

Seit sieben Jahren wird von der Justiz in Sachsen-Anhalt der
schreckliche Tod von Oury Jalloh in der Gewahrsamszelle Nr. 5 des
Polizeireviers Dessau verhandelt. Am 7. Januar 2005 verbrannte er in den
Räumen der Polizei am helllichten Tag. Dieses entsetzliche Ereignis
wurde bis heute nicht aufgeklärt. Die Staatsanwaltschaft hat zwar
Anklage gegen Polizeibeamte erhoben, behauptete aber von Anfang an, Oury
Jalloh hätte selbst das Feuer gelegt, das ihn tötete.

Wir haben das nie geglaubt!

Von dem Landgericht Dessau wurden die angeklagten Polizisten im Dezember
2008 freigesprochen. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und wies
das Verfahren zurück. Seit Januar 2011 wird vor dem Landgericht
Magdeburg verhandelt. Näher an die Wahrheit hat das Verfahren nicht
geführt, vielmehr ist deutlich geworden, dass vertuscht und gelogen wird.

Mouctar Bah und Komi E. von der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh
e.V. berichten über den neu aufgerollten Prozess, erklären warum die
IOJ e.V. selbst einen Internationalen Brandgutachter beauftragt hat und
warum sie sagen:

„Das war Mord“

Mehr Informationen auf
initiativeouryjalloh.wordpress.com

Eine gemeinsame Veranstaltung der

Roten Hilfe e.V. Greifswald und der Antirassistische Initiative Greifswald

in Kooperation mit der

Rosa Luxemburg Stiftung M-V

Solidaritätskonto für die Anti Atom Aktivist_innen eingerichtet

Aufgrund der Repression anlässlich des noch laufenden Castortransports ins Zwischenlager Nord bei Lubmin, haben wir in Zusammenarbeit mit dem Ermittlungsausschuss Greifswald ein Spendenkonto zugunsten der Anti-Atom-Aktivist_innen eingerichtet. Damit diese nicht alleine auf den Kosten sitzen bleiben.

Solidarität mit den Anti Atom Aktivist_innen in/um Lubmin!

Rote Hilfe Greifswald
Konto 400 723 83 07
BLZ 430 609 67
GLS-​Bank
Stichwort: Soli Castor Lubmin

mehr Infos zum Castor Transport auf Lubmin-niXda

Vor 20 Jahren: Aktionen für die Zusammenlegung der politischen Gefangenen aus der RAF

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Zur Abwechslung mal etwas Geschichtliches, denn vor 20 Jahren gab es noch mehr als nur den Mauerfall, der seit Monaten bis zum Abwinken im Fernsehen ausgestrahlt wird:

Vor 20 Jahren, konkret vom 1. Februar bis 12. Mai 1989, fand ein bundesweiter kollektiver Hungerstreik von 47 Häftlingen statt, um die Zusammenlegungsforderung der RAF-Gefangenen zu unterstützen. Ziel war die Zusammenlegung der RAF-Gefangenen in mehrere Gruppen, um so die Isolationshaft zu durchbrechen. Im Rahmen dieses Hungerstreiks gab aus weiten Teilen der Linken diverse Solidaritätsaktionen, Kundgebungen und Demonstrationen, so auch am 04.08.1989 in Kiel. Wir dokumentieren den damaligen Redebeitrag der Roten Hilfe Ortsgruppe Kiel, der auf der Kieler Hungerstreik-Demonstration gehalten wurde:

Liebe Freundinnen und Freunde!

Wir sind heute hier zusammengekommen, weil , wir wissen, daß die Haftbedingungen der politischen Gefangenen in der BRD gegen geltendes Menschenrecht verstoßen!
Wir wissen, Isolationshaft ist Folter! Wir fordern die Zusammenlegung in große Gruppen, um zu verhindern, daß die Gesundheit und das Leben der Gefangenen zerstört wird!

Wir fordern die Zusammenlegung auch, um die programmierte Isolation aufzuheben, um Kollektivität als Voraussetzung solidarischen Zusammenlebens durchzusetzen!
Unsere Solidarität ist auch eine politische Solidarität!

Die Gefangenen wurden verurteilt, weil sie als Guerilla gegen kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung für die Befreiung der Völker gekämpft haben.

Wir stehen mit ihnen auf einer Seite im Rahmen der Klassen-Auseinandersetzung im Kampf gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung, den Staat und seine Gesinnungsjustiz!

Es ist das Ziel, was uns eint! – Über den Weg und die Mittel muß jedoch gestritten werden. Wir kritisieren die Politik der Roten Armee Fraktion. Unsere Kritik kann aber nur eine solidarische sein! – eine Kritik, die getragen ist von dem Geist, zu vereinen und nicht zu spalten!!

Die Zusammenlegung ist gerade für eine perspektivische Auseinandersetzung der westdeutschen Linken elementar. Sie kann nur geführt werden, wenn die Gefangenen als Kollektiv diskutieren und sich äußern können!

Ziel der Isolationshaft ist es, die politische Auseinandersetzung untereinander und nach außen zu verhindern und durch diese Bedingungen den Kampf für Befreiung als aussichtslos erscheinen zu lassen.

Allgemein ist das Ziel staatlicher Repression, einzelne zu kriminalisieren, kämpfende Gruppen zu isolieren, Bewegungen zu spalten und durch die Notwendigkeit, sich gegen die staatliche Verfolgung zu wehren, Kräfte zu binden.

Alle fortschrittlichen Kräfte sind von der politischen Verfolgung in unterschiedlichem Maße betroffen. Daher ist das Zusammenstehen aller dieser Kräfte im Kampf gegen die staatliche Repression zwingend notwendig. Es geht darum, Solidarität zu organisieren und Strukturen aufzubauen, die es ermöglichen, die Unterdrückung zurückzuschlagen. Dies versucht die Rote Hilfe zu leisten. Die Schutzorganisation der gesamten Linken muß direkten Bezug zu den aktuellen Kämpfen haben, – eine Organisation, die sich nicht aus Selbstzweck gegen die Repression stellt, sondern aus dem Bewußtsein, durch ihre Arbeit den politisch Aktiven den Rücken frei zu halten. Daher ist der Kampf gegen die politische Unterdrückung, – die Entwicklung von politischer und praktischer Solidarität – ein wesentlicher Faktor auf dem Weg zur Befreiung der Gesellschaft!

Aufgabe in der Antirepressions-Arbeit ist es jetzt den §129a als Instrument der Klassenjustiz anzugreifen und seine Abschaffung durchzusetzen! Wir halten dies für möglich!! Auch außerhalb linker Organisationen haben viele Menschen den §129a als ein Instrument undemokratischer Obrigkeitsherrschaft, als ein ,,Sozialistengesetz der Neuzeit“ erkannt.

Gerade im Zusammenhang mit der Forderung nach Zusammenlegung der Gefangenen zeigt sich die willkürliche Handhabung dieses Gesinnungsparagraphen. Durch die Einleitung eines 129a-Verfahrens der BAW gegen die hungerstreikenden Gefangenen wegen mitgliedschaftlicher Betätigung, sollte der Hungerstreik als terroristische Aktion gebrandmarkt werden. Die solidarische Unterstützung der Hungerstreik-Forderungen sollte damit als Unterstützung der RAF kriminalisiert und verhindert werden. Nur wegen der breiten öffentlichen Thematisierung und der entschlossenen Unterstützung der Forderungen konnte dieses Konzept nicht durchgesetzt werden! Die Widersprüchlichkeit wird allein schon daran deutlich, daß in der Vergangenheit z.B. die Veranstalter der Veranstaltung in München wegen genau derselben Forderung nach §129a verurteilt wurden. Das zeigt: die Frage, ob und wo der §129a zum Einsatz kommt, ist eine Frage des politischen Kräfteverhältnisses.

Die Forderung der Gefangenen nach Zusammenlegung ist legitim! Sie wird von einer breiten Öffentlichkeit getragen. Sie kann wie die Tatsache der Isolationshaft nicht totgeschwiegen werden! Das Herausgreifen und die Kriminalisierung einzelner solidarischer Menschen durch den §129a ist ein Willkürakt staatlicher Gesinnungsjustiz!

Darum fordern wir, mit den Forderungen der Hungerstreikenden

Einstellung aller 129a-Verfahren!
Abschaffung des §129a!
Amnestie und Entschädigung für alle, die im Zusammenhang mit der Forderung nach Zusammenlegung kriminalisiert wurden!

Solidarität ist eine Waffe!

Rote Hilfe Kiel, April ’89

(Am 12.05.1989 wurde der Hungerstreik der Gefangenen nach 101 Tagen ohne greifbare Ergebnisse abgebrochen. Seitens der Angehörigen der Gefangenen entstand während des Hungerstreiks als Mitteilungsblatt das „Hungerstreik Info“, das heutige „Gefangenen Info“.)

Münchener Stadtrat für Mumia Abu-Jamal!

muenchen-for-mumia_bild_40028.10.2009: Die Mehrheit des Stadtrats in München hat in einer Resolution beschlossen, daß sich die Stadt München für ein neues, faires Gerichtsverfahren für Mumia Abu-Jamal und gegen die Todesstrafe einsetzen solle. In der Resolution wurde zudem darauf verwiesen, daß das damalige Verfahren gegen Mumia Abu-Jamal „eklatante Verfahrensmängel“ aufgewiesen habe, die „of­fen­sicht­lich auf ras­sis­ti­sche Hin­ter­grün­de zu­rück­zu­füh­ren sind“. Die Resolution wurde einhellig von allen Fraktionen des Münchener Stadtrats, mit Ausnahme der CSU, unterstützt.

Wir dokumentieren nachfolgend einen kurzen Bericht der Roten Hilfe München, den Resolutionstext sowie eine Presseerklärung des Linksparteistadtrats Orhan Akman.
Es wäre wünschenswert, wenn andere deutsche Kommunen diesem Münchener Vorbild folgten.

Bericht der Roten Hilfe München:

Münchner Stadträte fordern ein neues, faires Gerichtsverfahren für Mumia Abu-Jamal

Am Mitt­woch, den 28. Ok­to­ber stand eine Re­so­lu­ti­on gegen die Hin­rich­tung von Mumia als ers­ter Ta­ges­ord­nungs­punkt auf der Voll­ver­samm­lung des Münch­ner Stadt­rats. Zuvor hat­ten SPD, Die Linke, Grüne, Rosa Liste, FDP und ÖDP sich auf eine ge­mein­sa­me Re­so­lu­ti­on ge­ei­nigt.
Doch die CSU ent­deck­te ir­gend­ei­nen Form­feh­ler, warum diese Re­so­lu­ti­on nicht auf der Voll­ver­samm­lung ver­ab­schie­det wer­den kann. Nicht des­to­trotz wurde über eine Stun­de – z. T. sehr hef­tig dis­ku­tiert.
Nach 1,5 Stun­den wurde be­schlos­sen, daß die Stadt­rä­te, die die Re­so­lu­ti­on un­ter­stüt­zen, nach der Voll­ver­samm­lung diese un­ter­schrei­ben sol­len, was auch ge­schah.

Hier der Text der ge­mein­sa­men Re­so­lu­ti­on, der von den Abgeordneten der folgenden Fraktionen beschlossen wurde:
SPD-Fraktion, Bündnis 90/Die Grünen/Rosa Liste-Fraktion, FDP-Fraktion, Fraktion DIE LINKE.

Re­so­lu­ti­on an­läss­lich der Voll­ver­samm­lung am 28. Ok­to­ber 2009

Als Kom­mu­ne, die mit Über­zeu­gung rechts­staat­li­chen Grund­sät­zen folgt und sich für eine ge­rech­te und nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung en­ga­giert, sieht Mün­chen die Ver­pflich­tung, sich welt­weit für den Schutz der Men­schen­rech­te zu en­ga­gie­ren und nicht weg­zu­se­hen, wenn staat­li­che Über­grif­fe die Men­schen­wür­de be­ein­träch­ti­gen. In die­sem Sinne hat sich die Lan­des­haupt­stadt Mün­chen immer wie­der für die welt­wei­te Ab­schaf­fung der To­des­stra­fe ein­ge­setzt, ins­be­son­de­re im Rah­men der In­itia­ti­ve „Städ­te für das Leben – Städ­te gegen die To­des­stra­fe“, an der sich meh­re­re Hun­dert Groß­städ­te aus allen Kon­ti­nen­ten be­tei­li­gen.
Die To­des­stra­fe ist ein bar­ba­ri­scher, die Men­schen­wür­de miss­ach­ten­der Akt staat­li­cher Ge­walt. Sie wird dann zum Mord, wenn die Schuld­fra­ge nicht ein­deu­tig ge­klärt ist, wie dies im Fall von Mumia Abu-Ja­mal der Fall ist. Der afro-ame­ri­ka­ni­sche Jour­na­list und Bür­ger­recht­ler sitzt seit über 27 Jah­ren in der To­des­zel­le in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, weil er an­geb­lich einen wei­ßen Po­li­zis­ten er­schos­sen haben soll. Abu-Ja­mal be­teu­ert seit­her seine Un­schuld, und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen haben ekla­tan­te Ver­fah­rens­män­gel im da­ma­li­gen Ge­richts­pro­zess auf­ge­deckt, die of­fen­sicht­lich auf ras­sis­ti­sche Hin­ter­grün­de zu­rück­zu­füh­ren sind.
Wir schlie­ßen uns daher der welt­wei­ten So­li­da­ri­täts­kam­pa­gne an und for­dern ein neues, fai­res Ge­richts­ver­fah­ren für Mumia Abu-Ja­mal. Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka sind zu Recht stolz auf die äl­tes­te de­mo­kra­ti­sche Ver­fas­sung der Welt mit der Ga­ran­tie glei­cher Rech­te für Alle. Diese Vor­bild­funk­ti­on ver­pflich­tet aber zu einer äu­ßerst sorg­fäl­ti­gen und hu­ma­nen Wür­di­gung in jedem ein­zel­nen Fall. Der Rechts­grund­satz „in dubio pro reo“ (im Zwei­fel für den An­ge­klag­ten) muss na­tür­lich in ganz be­son­de­rem Maße bei der Ver­hän­gung der To­des­stra­fe gel­ten.
Dar­über hin­aus for­dert der Münch­ner Stadt­rat selbst­ver­ständ­lich wei­ter­hin eine voll­stän­di­ge Ab­schaf­fung der To­des­stra­fe. Be­son­ders in be­freun­de­ten Staa­ten wie den USA ist diese Ent­schei­dung längst über­fäl­lig.

Zur Resolution Münchner Stadträte vom 28.10.2009 zur Unterstützung des afro-amerikanischen Bürgerrechtlers Mumia Abu-Jamal erklärt der Stadtrat der LINKEN, Orhan Akman:

Seit 27 Jahren sitzt der afro-amerikanische Journalist und Bürgerrechtler, Mumia Abu-Jamal, in der Todeszelle. Menschenrechtsorganisationen haben gravierende, rassistisch motivierte Verfahrensmängel aufgedeckt, die zu seiner Verurteilung geführt haben. Das Leben von Mumia Abu-Jamals ist durch den Antrag der Staatsanwaltschaft von Pennsylvania auf Wiedereinsetzung des Hinrichtungsbefehls akut bedroht.

Ich bin glücklich und erleichtert, dass sich Münchner Stadträte über viele politische Grenzen hinweg zu einem Bündnis für das Leben des Bürgerrechtlers Abu-Jamal und damit zur Verteidigung der Menschenrechte zusammengefunden haben.

Die einhellige Unterstützung unserer Initiative durch SPD, Grüne/Rosa Liste, FDP und ÖDP gibt mir Hoffnung, dass die weltweiten Proteste weitere Unterstützung finden werden und so eine Exekution verhindert werden kann. „Im Zweifel für den Angeklagten“ ist ein elementares, rechtsstaatliches Prinzip, dies gilt umso mehr bei Vollstreckung der Todesstrafe.

Die Ablehnung der Resolution durch die CSU ist erschütternd. Mindestens das Gebot der christlichen Nächstenliebe hätte die CSU dazu bewegen sollen, diese Geste demokratischer Tugend und Achtung vor den Menschenrechten zu leisten. Die CSU wird ihr diesbezügliches Versagen mit ihrem Gewissen vereinbaren müssen.

Orhan Akman
Stadtrat der LINKEN.

Göttingen: Martialische Hausdurchsuchung war rechtswidrig

Wir dokumentieren eine Pressemitteilung der Roten Hilfe Göttingen vom 28.09.2009. Am 17.09.2008 fand in Göttingen eine martialische Hausdurchsuchung statt. Eine Klage der BewohnerInnen gegen diese Hausdurchsuchung wurde jetzt vom Verwaltungsgericht Göttingen stattgegeben, das Gericht erklärte die Polizeiaktion für rechtswidrig.

Gericht erklärt groß angelegte Hausdurchsuchung in Göttingen für rechtswidrig

Das Verwaltungsgericht Göttingen erklärte heute im 2. Verhandlungstag die von einem Großaufgebot von Polizei und Feuerwehr durchgeführte Hausdurchsuchung eines weitgehend von Linken bewohnten Mehrfamilienhauses sowie die dabei angefertigte Fotodokumentation für rechtswidrig. Auslöser für den Einsatz war ein Fund von Kleinstmengen an Chemikalien im September letzten Jahres.

Die Polizei begründete die Durchsuchung des Hauses mit der Suche nach weiteren gefährlichen Materialien und vermeintlich im Haus befindlichen schlafenden oder sich der Räumung widersetzenden BewohnerInnen, welche in Sicherheit hätten gebracht werden müssen.

Das Gericht konnte sich den Ausführungen des Einsatzleiters der Polizei nicht anschließen und verurteilte die gezielte Durchsuchung der Wohnungen. Schließlich hatte die Polizei durch die Staatsanwaltschaft lediglich die Erlaubnis zur Durchsuchung der zum Kellerraum gehörenden Wohnung, nicht jedoch für die Durchsuchung der anderen Wohnungen. Zwar hätten die übrigen Wohnungen zur Überprüfung auf gefährliche Gegenstände oder Personen begangen werden dürfen, jedoch nicht ohne konkrete Anhaltspunkte.
Diese waren laut Meinung des Gerichts jedoch nicht gegeben, da der Einsatzleiter die dringliche Gefahrenlage auf unsachgemäße Elektroinstallationen, wie z.B. „Mehrfachsteckdosen in Mehrfachsteckdosen“ und unklare Untermietverhältnisse zurückführte.
Grund für diese verqueren Annahmen waren seine Erfahrungen mit „vergleichbaren Objekten“ in der Vergangenheit, sprich Wohnungen mit Haupt- und Untermietern.

Auf Kritik des Gerichts an seiner fadenscheinigen Begründung der Durchsuchung zeigte sich der Einsatzleiter wenig einsichtig, jedoch gab er an, dass er die Rechtswidrigkeit der von ihm angeordneten Video- und Fotodokumentation der Durchsuchung mittlerweile, nach einem Blick ins Gesetzbuch, selbst einsehe.

In Anbetracht der Tatsache, dass der Einsatzleiter die Anordnung von Videoaufnahmen selbst eingesteht, scheint es paradox, dass das Gericht einzig an diesem Punkt die Klage abwies und den KlägerInnen 1/8 der Prozesskosten auferlegte. Sie hätten die Videoaufnahmen durch die Polizei beweisen müssen, um vollständig recht zu bekommen. Die Möglichkeit zum Beweis der Aufnahmen wurde den Klagenden jedoch durch die Polizei genommen, da diese die schon selbst eingestandenen Videoaufnahmen und Fotografien im Laufe des Verfahrens vernichtete.

Die BewohnerInnen beklagen, dass durch die Entscheidung des Gerichts die weitere Aufklärung der Geschehnisse nicht mehr möglich sei. Das Gericht erklärte mit seinem Urteil die Begründung der Durchsuchung durch die Polizei für rechtswidrig, ging jedoch nicht auf weitere Verfehlungen und Unstimmigkeiten während der Durchsuchung ein. Schließlich bleibt unklar, warum die Polizei für die vermeintliche Suche nach Personen oder weiteren Chemikalien die gesamten Räumlichkeiten der BewohnerInnen aufs Genauste durchsuchte und hierbei Video- und Fotoaufnahmen von Schriftstücken und weiteren persönlichen Eigentums tätigte. So wurden zum Beispiel auch der Ausschluss der BewohnerInnen bei der Durchsuchung und das Aufbrechen der Wohnungs- und Zimmertüren, trotz vorhandener Schlüssel, nicht behandelt.

Der eigentliche Grund für die Durchsuchung wurde während des Verfahrens lediglich verklausuliert unter dem Verweis auf „vergleichbare Objekte“ angeführt.

Wir gehen davon aus, dass auch hier die Polizei die Gelegenheit nutzte, um ungestört Einblicke in linke Strukturen zu gewinnen. Hierbei scheint ihnen jedes legale und illegale Mittel recht. Hierfür sprechen auch die Anwesenheit von Staatsschutz und einer Tatortgruppe für besondere Kriminalität, welche auch die Durchsuchung der Wohnräume vornahm. Die verfahrensrelevanten Beweismittel wurden hierbei zeitlich verzögert vernichtet, so dass eine Auswertung durch den Staatsschutz durchaus möglich war.

Der Einsatzleiter verlies den Gerichtssaal vor Urteilsverkündung und entzog sich so einer Belehrung durch das Gericht. Stattdessen ließ er sich lieber unter dem Einsatz von Blaulicht vor dem Gebäude abholen.

Wir hoffen, dass das Beispiel des Einsatzleiters richtungsweisend ist und weitere Polizeikräfte dazu bewegt, vor der Durchführung solcher Aktionen einen Blick ins Gesetzbuch zu werfen.

Unsere Solidarität gilt den BewohnerInnen, deren Grundrechte und Privatsphäre von der Polizei mit Füßen getreten wurden.

Wir verurteilen das Verhalten der Polizei aufs Schärfste.

Rote Hilfe Ortsgruppe Göttingen

Eine Pressemitteilung der Roten Hilfe Göttingen zur Hausdurchsuchung vom 17. September 2008 findet ihr hier.

Soli-Aktion der Roten Hilfe vor der JVA Düsseldorf

Wir dokumentieren einen kurzen Bericht der Roten Hilfe Düsseldorf/Mönchengladbach/Neuss zur Soli-Aktion am 04.07.2009 für Faruk Ereren und Nuri Eryüksel an der Düsseldorfer JVA:

Am Samstag den 4. Juli trafen sich, vor der Düsseldorfer JVA in der Ulmenstraße, 50 Personen um für die Freilassung von Nuri E. (http://de.indymedia.org/2009/07/255199.shtml) und Faruk E. (http://de.indymedia.org/2009/05/251387.shtml) im Speziellen, aber auch für alle sonstigen politischen Gefangenen zu demonstrieren. Zum Auftakt wurden zwei Redebeiträge auf türkisch sowie auf deutsch gehalten. Danach ging es voller Entschlossenheit vom Eingang zum hinteren Teil der JVA. Auf dem Weg wurden Parolen wie „Es lebe die Freiheit – Yaşasin Özgürlük“ oder „Wir sind alle 129 a und b“ skandiert.
Auf der Rückseite angekommen wurden weitere Reden gehalten sowie ein Beschwerdebrief, der sich an die Landesjustizministerin richtet, verlesen. Danach wurden noch ein paar Parolen gerufen, die diesmal auch von einzelnen Gefangenen erwiedert wurden. Nach gut eineinhalb Stunden wurde die Versammlung von Seiten der Veranstalter aufgelöst.

Die Veranstaltung kann als Erfolg verbucht werden, doch allerdings bleibt für die nächsten Male zu hoffen, dass mehr Leute die Notwendigkeit von solidarischen Aktionen erkennen und dem Aufruf folgen. Denn egal ob hier oder für unsere Schwestern und Brüder in der Türkei, Kurdistan oder sonst wo, gilt:

SOLIDARITÄT IST EINE WAFFE!

Rote Hilfe OG Düsseldorf/Mönchengladbach/Neuss

OLG Düsseldorf: Blind in Beugehaft

Wir dokumentieren einen Bericht der Roten Hilfe Ortsgruppen Mönchengladbach/Düsseldorf und Bochum/Dortmund vom 02.07.2009 zur Beugehaftverhängung gegen Nuri Eryüksel:

Vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf begann am 15.1.2009 der Prozess gegen Faruk Ereren.
Auf 256 Seiten wirft man dem 54-jährigen Faruk E. in der Anklageschrift Mitgliedschaft in führender Position in der verbotenen Revolutionären Volksbefreiungsfront (DHKP-C) vor.
Verantwortlich will der Ankläger ihn für Anschläge in der Türkei in der Zeit von 1993 bis 2005 machen.
Bei einer heute im Rahmen dieses Prozesses erfolgten Zeugenbefragung wurde dieser, Nuri E., zu einer 3-monatigen Beugehaft sowie einer Geldstrafe in Höhe von 500 EUR verurteilt, da er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machte.

Am 2. Juli wurde im Rahmen dieses Prozesses den Prozessbeobachter_innen wieder einmal die deutsche „Rechtstaatlichkeit“ vor Augen geführt:
Nuri Eryüksel verbüsste insgesamt 17 Jahre in Deutschland und der Türkei in Haft wegen angeblicher Mitgliedschaft in der DHKP-C. Während der Gefangenschaft in der Türkei wurde Nuri regelmässig gefoltert, infolge dessen er erblindete. An diesen Tag musste er bereits zum fünften mal als Zeuge aussagen. Doch anhand der Gesprächsverläufe und Fragestellungen festigt sich der Eindruck, dass man hier nicht um Wahrheitsfindung bemüht ist, sondern um die Verdächtigung und Ermittlungen gegen sowohl den Zeugen als auch andere Personen.
Bei einer für den Prozess völlig unrelevanten Frage nach einer Person namens Fikret A. und Nuri´s Beziehung zu ihm, machte er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, um sich nicht selbst der Strafverfolgung auszusetzen. Desweiteren wies er drauf hin, dass in den fünf Prozesstagen nur selten Fragen zum eigentlichen Verfahren gestellt wurden. Doch der Richtersenat drohte nach vorhergegangenem Antrag der Bundesanwaltschaft (BAW), mit einem Ordnungsgeld von 1.000 EUR und einem Monat Beugehaft, weil man die Rechtmäßigkeit der Aussageverweigerung nicht anerkannte. Doch dies stieß beim Zeugen verständlicherweise auf Unmut. Er wiederholte seine Bedenken und berief sich erneut auf sein Recht auf Aussageverweigerung. Nach zwei viertelstündigen Beratungen des Richtersenats verkündete dieser, dass die Verweigerung widerrechtlich sei und verhängte 500 EUR Bußgeld und bis zu drei Monate Beugehaft. Nuri wurde noch im Gerichtssaal abgeführt und bleibt vorerst bis zum nächsten Prozesstermin, der aufgrund einer sog. „Sommerpause“ des OLG erst für den 3. August angesetzt ist, in Haft.
Derzeit befindet er sich in der JVA Düsseldorf, wo er auf seine weitere Verlegung in eine andere Haftanstalt wartet.

[…]

SOLIDARITÄT IST EINE WAFFE!!

Rote Hilfe e.V.
OG Mönchengladbach/Düsseldorf
OG Bochum/Dortmund

Zum Hintergrund von Nuri Eryüksel und seinen Erfahrungen mit dem deutschen Staat hier Informationen aus dem Angehörigen-Info vom 29.11.1999:

Am 15.10.1999 wurde Nuri E. auf Bitten Deutschlands hin von schweizerischen Anti-Terror-Einheiten in der Wohnung einer Familie in Chur/Schweiz verhaftet. Während der Operation wurden von den Polizeibeamten Wohnungstüren eingetreten, Scheiben zerschlagen und alle anwesenden Personen brutal festgenommen. Aufgrund des Haftbefehls wurde Nuri E., der sehbehindert und auf eine Begleitperson angewiesen ist, in Isolationshaft genommen. Deutschland hat, wie sich herausstellte, am 14. Mai 1999 gegen Nuri E., den die BRD-Behörden als Deutschland-Verantwortlichen der DHKP-C betrachten, einen internationalen Haftbefehl erlassen. Seither wurde er von Interpol gesucht. Die Festnahme und das Verfahren gegen ihn gehen auf Aussagen eines Kronzeugen zurück, der vom bayerischen Verfassungsschutz angeworben wurde. Nuri E. wurde 1980 nach dem Militärputsch in der Türkei im Hauptprozess gegen die Devrimci Sol (Revolutionäre Linke) zu 15 Jahren Haft verurteilt, verbrachte 11 Jahre als politischer Gefangener in verschiedenen Militärgefängnissen und wurde 1991 entlassen. Während der Gefangenschaft hat er aufgrund eines Angriffs von im Gefängnis stationierten Soldaten einen großen Teil seines Augenlichts verloren. Vor seiner Inhaftierung war er bereits auf einem Auge blind. Nach der Entlassung aus türkischer Haft setzte er seine politischen Aktivitäten im Bereich Kultur, Kunst und Musik fort. Wegen seines gesundheitlichen Zustandes und der anhaltenden starken Repression, beantragte er 1993 Asyl in der BRD. Vor allem sein unter psychischem und physischem Druck verlaufendes Leben in den letzten Monaten und die fehlende medizinische Behandlung beeinträchtigte seine Sehfähigkeit massiv und ist inzwischen auf 6 % gesunken. (aus: Angehörigen-Info v. 29.11.99)

OLG Düsseldorf: Polizei schlägt ProzessbesucherInnen zusammen!

Der Schauprozeß im Düsseldorfer Oberlandesgericht gegen den nach § 129b StGB
verfolgten Faruk Ereren wurde am 29.05.2009 zum Schauplatz für Polizeiübergriffe auProzeßbesucherInnen. Neun BesucherInnen des Prozesses aus Düsseldorf, Mönchengladbach und Stuttgart wurden in der Mittagspause des Gerichts brutal von der Polizei niedergeschlagen und anschließend stundenlang im Gerichtskeller eingeschlossen. Gegen die neun GenossInnen wurde zudem jeweils ein Bußgeld über 100 EUR verhängt. – Und das alles nur, weil sie in einer Verhandlungspause Solidaritätsbekundungen für Faruk riefen.

Freiheit für Faruk Ereren und die übrigen Gefangenen aus der DHKP-C!
Weg mit §§ 129, 129a und 129b!
Hoch die internationale Solidarität!

Wir verweisen auf einen detaillierten Bericht der Roten Hilfe Düsseldorf/Mönchengladbach/Neuss auf indymedia deutschland, wo ihr auch Fotos von den Verletzten finden könnt.

Neue Pressback-Ausgabe – u.a. zum Visa Informationssystem (VIS)

Gerade ist die neue (April-)Ausgabe der Pressback (monatlicher Newsletter der Roten Hilfe Hamburg) erschienen. Wie immer sind alle Texte auch für Nicht-HamburgerInnen online hier nachlesbar.

Wir dokumentieren einen aktuellen Pressback-Artikel zum Visa-Informationssystem (VIS), auf das zukünftig Strafverfolgungsbehörden, Polizei und Geheimdienste europaweit Zugriff erhalten sollen:


Vis-à-vis mit dem Ausland

Zugang zu Daten? Aber sicher!

Die deutschen Polizei- und Strafverfolgungsbehörden sowie Nachrichtendienste sollen künftig zur „Verhütung, Aufdeckung und Ermittlung terroristischer und sonstiger schwerwiegender Straftaten“ im Einzelfall Zugang zum Visa-Informationssystem (VIS) der Europäischen Union erhalten.
Einen entsprechenden Gesetzentwurf der Bundesregierung billigte der Innenausschuss mit den Stimmen der Koalitionsmehrheit von CDU/CSU und SPD. Durch das Gesetz, das im Bundestagsplenum aktuell zur abschließenden Beratung auf der Tagesordnung steht, soll ein EU-Beschluss vom Juni 2008 in nationales Recht umgesetzt werden – mit den Stimmen der großen Koalition, die das Gesetz ja selber eingebracht hat, steht somit einer Einführung in Deutschland nichts mehr im Wege.
Das System, das sich noch im Aufbau befindet, soll dazu dienen, so genannten Asylbetrüger_innen auf die Schliche zu kommen, indem beispielsweise Visum-Mehrfachanträge bei verschiedenen EU-Mitgliedstaaten verhindert und Identitätstäuschungen aufgedeckt werden. Hierzu werden Daten zu Schengen-Visa durch die zuständigen Behörden – insbesondere Visum-, Grenz- und Einwanderungsbehörden – gespeichert. Im Klartext bedeutet das, dass mit dem Visa-Informationssystem EU-weit alle Behörden Zugang zu den gespeicherten Daten über Visa-Antragsteller_innen erhalten können. So könnte beispielsweise Europol biometrische Daten wie Fingerabdrücke abrufen. Darf man der Bundesregierung glauben, soll der Zugang für nationale Behörden dabei allerdings nicht direkt, sondern über zentrale nationale Zugangsstellen erfolgen.
Zur besseren Informationsgewinnung von VIS werden darüber hinaus ca. 190 deutsche Auslandsvertretungen mit neuer Hard- und Software für VIS ausgerüstet. Ab Mai 2009 würden die ersten Fingerabdrucklesegeräte an die Auslandsvertretungen in der Region Nordafrika gebracht, teilte die Regierung weiter mit.
Bis jetzt hat das System, wie eine kleine Anfrage der Grünen ergeben hat, etwa 30 Millionen Euro gekostet. Die immer repressiver werdende Asyl- und Migrationspolitik ist Europas Regierungen offenbar einiges wert.