Archiv der Kategorie 'Soziale Kämpfe'

Solidarität mit den Kämpfen der Refugees – Bleiberecht für alle!

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Mit der antirassistischen Kampagne ‚you can‘t break this movement‘ sammelt die Rote Hilfe e.V. Spenden für widerständige Geflüchtete und deren Unterstützer*innen, die durch ihren politischen Aktivismus von staatlicher Repression betroffen sind. Seit 2012 die ersten großen Protestmärsche von Würzburg nach Berlin starteten, sich nach und nach bundesweit Protestcamps gebildet haben, Gebäude besetzt, Botschaften gemeinschaftlich besucht und öffentliche Plätze genommen wurden, wurde diese Aktionen polizeilich und juristisch angegriffen.
Vorwürfe von Residenzpflichtverstößen, Körperverletzungen, Landfriedensbrüchen oder Widerstand gegen die Staatsgewalt sollen Widerstand delegitimieren und einschüchtern. Viele der betroffenen Aktivist*innen, ohne oder mit europäischem Pass, haben von der Roten Hilfe in den Folgemonaten politische und finanzielle Unterstützung erhalten. Wo lokale Soli-Töpfe ausgeschöpft sind haben wir auf Bundesebene geflüchteten Aktivist_innen statt dem Regelsatz von 50% der Repressionskosten (Anwält_innen, Gericht, Strafe,…) eine 100%ige Unterstützung möglich gemacht.
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Unsere Solidarität gegen anhaltenden rechten Terror in der Ukraine! Rote Hilfe e.V. richtet Spendenkonto für verfolgte Antifaschist*innen ein

Göttingen, den 01.03.2014

Im Zuge der breiten Protestbewegung der ukrainischen Bevölkerung gegen die ehemalige Regierung konnten sich faschistische Gruppierungen in den vergangenen Monaten in dieser verankern und ihre Mitgliederstärke vervielfachen. Sowohl auf dem Maidan-Platz in Kiew selbst als auch während der Auseinandersetzungen waren Gruppierungen wie „Der Rechte Sektor“ stets präsent und traten paramilitärisch auf. Nationalistische und rassistische Symbole und Parolen waren unübersehbar. Faschistische Parteien wie „Swoboda“ (Freiheit) warben um Akzeptanz auch im Ausland und gaben sich ungestört – im Verbund mit anderen, sich als „oppositionell“ bezeichnenden Parteien – als Vertreter*innen der „unzufriedenen Bevölkerung“ aus.

War es bereits in den Monaten zuvor riskant und gefährlich für linke Organisationen und Aktivist*innen, sich politisch zu betätigen, so hat der Terror rechter Gruppierungen seit dem bürgerlich-reaktionären Putsch ungeahnte Ausmaße angenommen. Büros der Kommunistischen Partei der Ukraine
(KPU) sowie weitere Projekte der linken Bewegung wurden gestürmt und verwüstet; es kursieren so genannte Todeslisten, die sich gegen antifaschistische Aktivist*innen richten. Protestaktionen gegen die sich nach dem Machtwechsel neu konstituierende Regierung sind aktuell lebensgefährlich, während diese laut über ein Verbot der KPU nachdenkt.
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Die Bundeswehr im Inneren – Ein Vortrag des AK Antimilitarimus

Die Bundeswehr im Inneren.
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Ein Vortrag des AK Antimilitarismus aus Hannover – In Zusammenarbeit mit der Roten Hilfe Greifswald

Der Vortrag soll einerseits einen Überblick über Bundeswehrstrukturen zum Einsatz innerhalb derBRD geben, und andererseits möglichst klar herausstellen, was diese für die Perspektive gesellschaftlicher Veränderungen bedeuten.
Das Ziel dieses Vortrags ist – über antimilitaristische bzw. Friedensgruppen hinausgehend – eine Diskussion darüber anzustoßen.

Welche Bedeutung hat eine militarisierte, staatliche Strategie zur Unterdrückung sozialer Konflikte für uns und andere emazipatorische Bewegungen?
Wie können wir der staatlichen Unterdrückung linker Politik etwas entgegensetzen und in die Offensive kommen?

Donnerstag – 9.12.2010 – 20:30 – IKUWO (Goethestr.1, 17489 HGW)

Vortrag

Berlin: Freispruch für Alexandra – Anklagekonstrukt ist in sich zusammengefallen

Hintergrund: Seit Monaten werden immer wieder PKW, v.a. solche der gehobeneren Luxusklasse, in Berlin abgefackelt. Am 18.05.2009 wurde die 20-jährige Berlinerin Alexandra in einem Spätkauf-Markt von der Polizei festgenommen und mit dem Vorwurf der versuchten Brandstiftung an einem Auto konfrontiert. Am folgenden Tag wurde sie wegen „nichtdringendem Tatverdacht“ wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Aufgrund einer medialen Hetzkampagne der Berliner Presse wurde sie jedoch am 20.05.2009 wegen des gleichen Tatverdachts erneut festgenommen und in Untersuchungshaft genommen, aus der sie vor einigen Tagen, am 23.10.2009, entlassen wurde. Nachdem sie fast 5 1/2 Monate unschuldig in Untersuchungshaft verbringen mußte, wurde Alexandra am 03.11.2009 von allen Anklagepunkten freigesprochen; das von der Staatsanwaltschaft zusammengeschusterte Anklagekonstrukt ist in sich zusammengefallen. – Wir gratulieren Alexandra und der Solidaritätsgruppe „En garde!“ zu diesem erfolgreichen Prozeßausgang!

Nachfolgend die erste Stellungnahme der Solidaritätsgruppe „En garde!“:

Alexandra wurde heute freigesprochen. Obwohl die Staatsanwaltschaft bis zuletzt an ihrem Anklagekonstrukt festhielt und aus „generalpräventiven Gründen“ 3 Jahre Haft forderte, sah das Amtsgericht am Ende der Beweisaufnahme Alexandras Schuld als nicht erwiesen an. Im Schlussplädoyer kritisierten Alexandras Verteidiger_innen nochmals die Umstände, die dazu führten, dass Alexandra 156 Tage „unschuldig“ in Untersuchungshaft verbrachte.

Der Staatsanwaltschaft warfen sie vor, auf politischen Druck gehandelt und dabei wissentlich falsche Ermittlungsergebnisse in die Hauptverhandlung eingebracht zu haben. Die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Andrea Hoffmann, habe sich zum Ziel gesetzt, Alexandra auf „Biegen und Brechen“ zu verurteilen. Dieser Eindruck wurde auch dadurch gefestigt, dass die Staatsanwaltschaft direkt im Anschluss an die Urteilsverkündung ankündigte, womöglich in Berufung zu gehen. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Dazu stellt der Pressesprecher der Soligruppe fest: „Was bereits nach der ersten Festnahme von Alexandra vermutet wurde, zeigte sich heute noch einmal in aller Deutlichkeit. In Ermangelung belastender Beweise versucht die Staatsanwaltschaft Zweifel an Alexandras Unschuld herbei zu konstruieren. Das Einzige, was es hier zu verurteilen gibt, ist der politische Verurteilungswille. Daß es von Anfang an eine politische Vorverurteilung gegeben hat, die sich darauf stützt, dass Alexandra sich in der linken Szene bewegt, dürfte spätestens jetzt auch dem letzten Zweifler klar geworden sein.“

Berlin: Haftprüfungstermin für Alexandra – schon 10 Wochen in U-Haft!

Alexandra sitzt allein aufgrund einer hysterischen Kampagne, die mehrere bürgerliche Medien und die Berliner Polizei öffentlich inszeniert haben, seit knapp 10 Wochen in Untersuchungshaft. Augenscheinlich soll Alexandra als Sündenbock herhalten für die seit Monaten laufende Brandserie gegen (v.a. Luxus-) PKWs in Berlin, bei der immerhin schon mind. 365 Fahrzeuge Opfer der Flammen wurden.
Falls die Polizei durch diese medial geforderte U-Haft eine allgemeine Einschüchterung sowie Eindämmung der PKW-Brandstiftungen in Berlin beabsichtigte, so ist diese Strategie ganz offensichtlich nicht aufgegangen; denn auch im Juni und Juli wurden in Berlin wieder mehrere Luxuskarossen Ziel von Brandstiftungen wie eine Übersicht zeigt.

Wir fordern die sofortige Freilassung der Genossin:

Freiheit für Alexandra!

Nachfolgend dokumentieren wir eine Erklärung vom 24.07.2009 der Berliner Soligruppe für Alexandra zu ihrem nächsten Haftprüfungstermin. Dieser findet am 31.07.2009 statt:

Unsere Freundin und Genossin Alexandra sitzt noch immer in Untersuchungshaft und das jetzt schon seit dem 20. Mai 2009. Am Freitag, den 31.07.09 wird es um 8:40 Uhr in Moabit eine erneute Haftprüfung geben.

Es ist ein Skandal, dass sie noch immer in Haft sitzt. Schon die damalige Anklageschrift hat sich wie ein ein fertiges Urteil gelesen. Sie wird nicht angeklagt wegen des Verdachts der versuchten Brandstiftung, sondern sie wird angeklagt um einen Präzedenzfall zur Abschreckung zu schaffen.
Nach der ersten Festnahme am 18. Mai 2009 waren sich Presse und Politik sofort einig, dass sie schuldig ist. Das sah die Staatsanwaltschaft aufgrund fehlender Beweise allerdings anders und erließ keinen Haftbefehl gegen sie.

Nach 2 Tagen erfolgreicher Pressehetze durch Berliner Morgenpost, Berliner Kurier, BZ, Tagesspiegel, Bild usw. wurde der Fall an eine neue Staatsanwältin übergeben und prompt ein Haftbefehl erlassen. Politik, Presse und Bullen feierten sich: „Das war ein grosser Erfolg für die Polizei.“ so z.B. Glietsch im Innenausschuss.

Wir sehen es als skandalös an, dass Bullen, Politik, Justiz und Presse zusammen arbeiten.

Wir glauben nicht an eure Lügen! Für die Freiheit von Alex!!!

Mehr Infos von der Soligruppe findet ihr hier: http://www.free-alexandra.tk

Tarnac-Verfahren: In Berlin wird einer Zeugin 800 EUR Ordnungsgeld aufgebrummt, in Hamburg gilt diesmal das Aussageverweigerungsrecht

Am 18.07.2009 fand vor dem Amtsgericht Hamburg eine Zeugenvernehmung im Zusammenhang mit den sogenannten Tarnac-Verfahren in Frankreich statt.
Eine Genossin sollte vor dem Amtsgericht als Zeugin aussagen, hatte aber vorab schon angekündigt, von ihrem Aussageverweigerungsrecht (§ 55 StPO) Gebrauch zu machen. Zeitgleich zur Zeugenvernehmung fand vor dem Gericht eine Kundgebung von GenossInnen statt, wo auch die Rote Hilfe Hamburg einen Redebeitrag hielt, den ihr hier als pdf herunterladen könnt.

Die Genossin konnte bereits nach einer Stunde den Gerichtssaal wieder verlassen. Sie hatte dort jegliche Aussagen verweigert und sich dabei auf den § 55 StPO berufen. Das Gericht anerkannte dieses Aussageverweigerungsrecht in vollem Umfang.

Am Tag zuvor kam es schon in Berlin zu ähnlichen Zeugenvernehmungen im Zusammenhang mit den Tarnac-Verfahren. Die Vernehmungen der beiden Zeugen vor dem Gericht am Tempelhofer Damm dauerten Stunden. Das Gericht wollte das Aussageverweigerungsrecht (§ 55 StPO) nicht akzeptieren. Nach 2 1/2 Stunden schließlich wurde der erste Zeuge entlassen, immerhin ohne die Verhängung eines Ordnungsgeldes. Bei der zweiten Zeugin, bei der das LKA bereits einige Tage zuvor eine Hausdurchsuchung (!) durchführen wollte, hat das Gericht das Aussageverweigerungsrecht nicht anerkannt und 800 EUR (!) Ordnungsgeld verhängt – eine Strafe also, weil sie die Aussage verweigerte, weil sie sich weigerte, den Repressionsbehörden in einem politischen Verfahren in die Hände zu spielen.

ZeugInnen, die nicht aussagen und bei denen das Aussageverweigerungsrecht seitens des Gerichtes nicht zuerkannt wird, drohen empfindliche Ordnungsgelder (wie der Genossin in Berlin, siehe oben); letztlich können „dank“ des § 70 Abs. 2 StPO sogar bis zu max. 6 Monate Beugehaft verhängt werden. In der Vergangenheit kam es häufiger zu Beugehaftverhängungen gegen ZeugInnen in politischen Verfahren. Erst am 02.07.2009 wurde Nuri Eryüksel vor dem OLG Düsseldorf (Prozeß gegen Faruk Ereren wegen DHKP-C-Mitgliedschaft) zu 1 Monat Beugehaft und 1.000 EUR Ordnungsgeld verurteilt.

Beugehaftkonto der Roten Hilfe

Wir wollen die Betroffenen bei Ordnungsgeldern und Beugehaft nicht alleine lassen und rufen zu Spenden auf das zentrale Beugehaftkonto der Roten Hilfe auf. Bei Beugehaft-Gefangenen fallen zu der Haft natürlich weiterhin finanzielle Kosten an wie z.B. Miete, Versorgung der Familie, laufende Versicherungen etc.

Rote Hilfe e.V.
Konto 191 100 462
Postbank Dortmund
BLZ 440 100 46
Stichwort: Beugehaft

Bildungsstreik 2009: Kurzer Blick auf die Repression und die Arbeit des AK Antirepression

Der Bildungsstreik vom Juni, an dem 230-250.000 Menschen (v.a. SchülerInnen und StudentInnen) teilnahmen, ist mittlerweile vorbei und es werden schon neue Bildungsproteste für den Herbst geplant.
Beim bundesweiten Bildungsstreik gab es wieder je nach Region ein unterschiedlich repressives Vorgehen von Polizei und Verwaltung. In verschiedenen Städten (z.B. Sigmaringen, Bergisch-Gladbach, Regensburg, Frankfurt/Main) kam es zum (rechtswidrigen) Einschluß von SchülerInnen in den Klassenräumen, in Karlsruhe wurden SchülerInnen-Demonstrationen verboten, in anderen Orten (z.B. Hamburg, Essen, Frankfurt/Main, Nürnberg, Berlin) griff die Polizei die Demonstrationen an und nahm Leute fest bzw. in Gewahrsam. Überhaupt Berlin: Nachdem die Polizei dort schon nach dem letzten SchülerInnenstreik Fahndungsplakate herausgab, stürmte sie am 18.05.2009, wenige Wochen vor dem Streik, sogar eine Pressekonferenz der BildungsstreikorganisatorInnen.

Mittlerweile haben einige Polizeidirektionen (so u.a. die Polizei Düsseldorf) auch schon angefangen, Briefe an TeilnehmerInnen der Streikaktionen zu versenden. In den Anschreiben wird mitgeteilt, daß Ermittlungsverfahren wegen der landesweiten Bildungsstreik-Demonstration am 20. Juni 2009 in Düsseldorf eingeleitet werden. Verbunden mit den Vorwürfen ist der Hinweis, sich zu den Vorwürfen zu äußern. – Wir weisen an dieser Stelle noch einmal dringend darauf hin, daß niemand verpflichtet ist, auf diese Schreiben zu reagieren, geschweige denn zu antworten. Es ist nicht das erste Mal, daß mittels solcher Schreiben gerade jüngere Leute (z.B. SchülerInnen, die noch bei ihren Eltern wohnen) eingeschüchtert werden sollen. Die Rote Hilfe Ortsgruppe Möchengladbach-Düsseldorf-Neuss bietet in Kooperation mit dem Referat für politische Bildung des AStA der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf Rechtsberatung für alle an, die solche Anschreiben erhalten haben und nun unsicher sind, was sie denn tun sollen.
Solltet ihr ebenfalls entsprechende Anschreiben erhalten, meldet euch bitte bei der nächstgelegenen Rote Hilfe Ortsgruppe oder (falls es keine nahegelegene Ortsgruppe gibt) beim Bundesvorstand der Roten Hilfe, wo ihr Hilfe und Unterstützung erhaltet.

Der AK Antirepression des Bildungsstreikbündnisses dokumentiert und bearbeitet weiterhin die Repressionsvorfälle. Auf der bundesweiten Bildungsstreik-Seite schreibt der AK Antirepression:

„In der aktuellen Krisensituation des Kapitalismus und angesichts der Verschärfung von Widersprüchen innerhalb der Gesellschaft, reagiert der Staat empfindlich auf soziale Proteste, zu denen auch die Forderung nach „freier Bildung für Alle“ gehört.

Als Reaktion auf die Kritik bzw. das Infragestellen herrschender Verhältnisse wird Protest kriminalisiert und Willens- sowie Meinungsäußerung durch Repressionen und Sanktionen unterdrückt. Damit wir unsere Forderungen gemeinsam und kämpferisch in die Öffentlichkeit tragen können, brauchen wir den eigenen Schutz gegenüber staatlichen Behörden, Polizei, (Hoch-)Schulen und Justiz.

Warum die Zusammenarbeit mit anderen Rechtshilfestrukturen?

Da sich der AK Antirep keineswegs mit etwas völlig Neuem oder noch nie da Gewesenem beschäftigt, ist es auch selbstverständlich, dass wir mit Strukturen zusammenarbeiten, die bereits Erfahrungen gesammelt und infrastrukturelle Möglichkeiten aufgebaut haben.

Natürlich ist eine effektive Antirep-Arbeit auf die Kooperation mit Strukturen vor Ort angewiesen, wie zum Beispiel mit Bunte und Rote Hilfe-Gruppen sowie Ermittlungsausschüssen (EAs). Zusätzlich stehen wir im Austausch mit publizierenden und/oder beratenden Organisationen wie dem bündnis für politik- und meinungsfreiheit (bpm), dem Republikanischen Anwaltsverein (RAV), den Arbeitskreisen kritischer Jurist_innen (AKJ), Gewerkschaften und vielen mehr …

Wir arbeiten mit der Roten Hilfe e.V. (RH) zusammen, einer linken, strömungsübergreifenden Solidaritätsorganisation, bei der wir ein bundesweites Spendenkonto eingerichtet haben, denn Solidarität kostet Geld:

Konto: Rote Hilfe e.V. Göttingen
Konto-Nr.: 13 50 20
BLZ: 250 500 01
Bank: Sparkasse Göttingen
Verwendungszweck: Bildungsproteste (bitte bei jeder Überweisung angeben!)

Außerdem empfehlen wir Euch einen Beitritt zur RH, da diese bundesweite Solidaritätsorganisation kontinuierliche Rechtshilfearbeit ermöglicht und von Repression Betroffene finanziell, juristisch und politisch unterstützt. Dabei versteht sich die RH weder als Rechtsversicherung noch als karitative Einrichtung, sondern arbeitet politisch gegen staatliche Repression.“


Dieser Empfehlung können wir uns nur anschließen!

Wir dokumentieren nachfolgend eine Presseerklärung des Bundesvorstands der Roten Hilfe vom 22.06.2009:


Staatliche Repressionsmaßnahmen gegen Bildungsproteste

In der vorangegangenen Woche haben sich in der BRD mehrere Zehntausend SchülerInnen, Studierende und andere im Bildungsbereich tätige Menschen an Veranstaltungen und Aktionen für eine grundlegende Alternative zum jetzigen Bildungssystem beteiligt. Den öffentlichkeitswirksamen Kulminationspunkt bildeten hierbei die in insgesamt 80 Städten stattfindenden Demonstrationen, an denen am 17. Juni 2009 fast 250.000 Personen teilnahmen. Den zunehmend auf kapitalistische Verwertung ausgerichteten Prozessen im marktwirtschaftlich konfigurierten Bildungsbereich sollte bundesweit mit massenhaftem und legitimem Protest begegnet werden.

Aber nicht überall konnten die Proteste problemlos, also frei von staatlichen Unterdrückungs- oder Verhinderungsmaßnahmen durchgeführt werden. Vielerorts wurden die Demonstrationen durch massive polizeiliche Auflagen behindert, und es kam zu extremen Einsätzen gegen AktivistInnen: In einer Nürnberger Schule beispielsweise setzte eine Spezialeinheit der Polizei Pfefferspray ein, um Jugendliche am Demonstrieren zu hindern; in Stuttgart wurde eine Bildungsstreikparty gewaltsam aufgelöst; in Hamburg wurden sechs 14-Jährige vorübergehend festgenommen. Darüber hinaus gab es hartes polizeiliches Vorgehen gegen friedliche Blockaden, symbolische Bank„überfälle“ oder Institutsbesetzungen. Momentan sind mehrere Ermittlungsverfahren bekannt, die gegen BesetzerInnen oder DemonstrationsanmelderInnen laufen – wegen Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung oder Verstoßes gegen Demoauflagen. In Heidelberg, wo ab Mittwoch (17.06.2009) von bis zu 200 AktivistInnen der in der Alten Universität untergebrachte Amtssitz der Unispitze besetzt wurde, nahm Rektor Eitel auf massiven öffentlichen Druck hin die Anzeigen gegen die verbliebenen 112 BesetzerInnen wieder zurück, die er von der Polizei am Samstagmorgen hatte aus dem Gebäude tragen lassen. Auch die Schulleitungen beteiligten sich am staatlichen Kampf gegen die Proteste und hinderten ganze Schulklassen durch Einsperrung an der Wahrnehmung ihrer Demonstrationsfreiheit.

Unsere linke Solidaritätsorganisation, die bereits im Vorfeld des Bildungsstreiks notwendige Aufklärungsarbeit im bewussten Umgang mit staatlicher Unterdrückung geleistet hat, fordert die Behörden, die Ordnungsämter, die Staatsanwaltschaften, die Schulen und die Universitäten dazu auf, alle Ermittlungsverfahren oder sonstigen repressiven Maßnahmen zurückzunehmen und den AktivistInnen Straffreiheit zu gewähren.

Alle, die im Rahmen der Proteste gegen ein auf Wettbewerb und Marktinteressen ausgerichtetes Lernen ins Visier staatlicher Ermittlungsbehörden geraten sind oder in Folge ihres politischen Engagements an Schulen und Universitäten unter Repressalien zu leiden haben, können sich an die Rote Hilfe, den AK Antirepressionsarbeit im Bildungsstreik 2009 oder andere linke Antirepressionsorganisationen wenden. Außerdem existiert nach wie vor ein Spendenkonto bei der Roten Hilfe, auf das unter dem Stichwortt „Bildungsproteste“ eingezahlt werden kann.

Gegen staatliche Repression!
Für freie Meinungsbildung!

Solidarität mit Adrien von der CNT-AIT aus Paris!

Im Herbst letzten Jahres gab es in Frankreich eine Mobilisierung gegen das LRU, ein „Reform“gesetz für die französischen Universitäten. Dabei kam es u.a. an der Pariser Universität Sorbonne zu Auseinandersetzungen, als StreikbrecherInnen sich gewaltsam Zugang in die besetzten Universitätsgebäude verschaffen wollten. Der Student Adrien, Mitglied der anarcho-syndikalistischen CNT-AIT und aktiv in der Streikbewegung, wurde daraufhin mit dem Vorwurf der Körperverletzung verhaftet. In einem sogenannten Schnellverfahren soll er nun am 29. Januar 2008 verurteilt werden. Ihm drohen bis zu fünf Jahren Haft und 75.000 EUR Geldstrafe. Die CNT-AIT ruft dazu auf, eine Petition zur Unterstützung Adriens (in englisch) zu unterzeichnen.

Wir dokumentieren die Presseerklärung der FAU Bern dazu:

Während der Streiks gegen das Universitätsreformgesetz LRU im Herbst 2007 wurden viele französische Universiäten bestreikt. So auch das Institut der Sorbonne in Clignancourt. Um den Streik zu brechen und um eine Handhabe für ein Eingreifen der Polizei zu bieten, ließ die Verwaltung zu, dass es zu einer Eskalation kam und Streikbrecher die Streikenden angriffen.

Am 19. November griff eine Gruppe von Streikbrechern an und versuchte sich gewaltsam Zutritt zur Universität zu verschaffen. Während des Angriffs wurden ein streikender Student und ein Streikbrecher verletzt. Um durchzubrechen warfen die Angreifer Stühle und Tische auf die Streikposten. Dabei verletzte sich einer der Streikbrecher an der Hand und nahm das zum Anlass, Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Nach einer „außerordentlich“ schnellen Untersuchung (so die Worte von Jean Robert Pitte, Präsident der Sorbonne und erbitterter Gegner des Streiks und der Streikbewegung) wurde Adrien am 14. Dezember festgenommen und für 27 Stunden festgehalten. Ihm wurde ein Angriff und Körperverletzung vorgeworfen. Mittlerweile wurde ein Gerichtstermin für den 29. Januar 2008 angesetzt. Obwohl es keine Beweise für eine Anwesenheit und eine Teilnahme an einem Angriff gibt, besteht die Gefahr, dass an Adrien als bekanntem Aktivist der Bewegung ein Exempel statuiert werden soll. Wir wissen, dass Adrien ein Gewaltfreier ist, der sich nie an körperlichen Auseinandersetzungen beteiligte. Dennoch drohen ihm bis zu fünf Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 75.000 EUR.

Kontakt zum UnterstützerInnenkreis für Adrien:

Comité Justice pour Adrien
c/o Espace Damrémont
108 rue Damrémont
F-75018 PARIS